12. 11. 2022, 15 Uhr

Aufführungsort: Villa Tugendhat 

Violoncello: Tomáš Jamník

Klavier: Ivo Kahánek

Der Festivalpass kann nicht für Aufführungen in der Villa Tugendhat verwendet werden.

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Leoš Janáček: Märchen für Violoncello und Klavier, JW VII/5

Krzysztof Penderecki: Divertimento per violoncello solo

Alexander Glasunow: Elegie für Violoncello und Klavier, op. 17

Sergej Rachmaninow: Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll, op. 19

 

Bei dem nachmittäglichen Konzert werden zwei Ausnahmemusiker zu erleben sein – der Cellist Tomáš Jamník und der Pianist Ivo Kahánek. 

Die Inspirationsquelle für Janáčeks Märchen für Violoncello und Klavier war das „Märchen vom Zaren Berendej, von seinem Sohn, dem Zarewitsch Iwan, von der Schlauheit des unsterblichen Koschtschej und von der Weisheit der Zarin Maria, der Tochter des Koschtschej“ von Wassili Andrejewitsch Schukowski. Dies war weder das erste noch das letzte Mal, dass Janáček sich einem russischen Sujet zuwandte. Die Geschichte von einem unbedachten Versprechen des Zaren, der dadurch sein einziges Kind verliert, vollendete Janáček in einer ersten Version am 10. Februar 1910. Die Handschrift umfasste drei Sätze. Das Märchen wurde am 13. März 1910 im Rahmen der VI. Sonatenstunde an der Brünner Orgelschule aufgeführt. Anschließend änderte Janáček das Stück so ab, dass es nunmehr aus vier Teilen bestand, und ließ es so am 12. März 1912 aufführen. Eine dritte Version erschien 1923 in gedruckter Form. Der Charakter der Komposition lässt erkennen, dass Janáček sie in Zeiten der Hoffnungslosigkeit und Vereinsamung schrieb.  

Die Komposition Divertimento/Suite für Violoncello-Solo von Krzysztof Penderecki entstand in den Jahren 1994–2013. Sie besteht aus sechs kontrastierenden Absätzen, die über einen Zeitraum von zwanzig Jahren geschrieben wurden. Penderecki wendet sich mit diesem Werk der neoromantischen Ästhetik zu und nutzt die dunklen, lyrischen Tonlagen des Violoncellos mit unterschiedlichen Färbungen.

Der junge Glasunow hatte die einzigartige Gelegenheit, im Jahr 1884 auf seiner Konzerttournee durch Europa mit dem berühmten Franz Liszt zusammenzutreffen. Dieser war von Glasunow entzückt und setzte sich sehr dafür ein, dass dessen erste Symphonie in Weimar aufgeführt wurde. Als Liszt zwei Jahre später in Bayreuth verstarb, traf Glasunow diese Nachricht sehr tief. So schrieb er denn seine Elegie für Violoncello und Klavier, op. 17 mit dem Untertitel Une Pensée à François Liszt gerade zum Andenken an dieses großzügige musikalische Genie. Die Musik dieser Komposition verkörpert Nostalgie, schöne Erinnerungen, aber auch Trauer. 

An der Wende zum 20. Jahrhundert durchlebte Sergej Rachmaninow eine Phase tiefer Selbstzweifel, in die ihn der grandiose Misserfolg seiner Symphonie Nr. 1 im Jahr 1897 gestürzt hatte. In den folgenden drei Jahren war der Komponist nahezu unfähig, irgendetwas zu schreiben. Als er sich erneut dem Komponieren zuwandte, war eines seiner ersten Werke gerade die Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll, die er im November 1901 vollendete. Zum Glück war Rachmaninow mit diesem Werk erfolgreich. Als er diese reizvolle Sonate schrieb, ahnte er wohl nicht, dass sie sein letztes Kammerwerk sein würde. Danach widmete er sich nur noch Kompositionen für Soloklavier sowie Orchester- und Chorwerken. 

Jiří Zahrádka