Opera Vlaanderen

Dirigent Tomáš Netopil

Regie Kornél Mundruczó


Tickets

  • Obsah opery

    1.Akt
    Bereits seit fast hundert Jahren zieht sich vor Gericht ein Erbschaftsstreit zwischen den Familien Gregor und Prus, und gerade heute soll das endgültige Urteil ergehen. Albert Gregor, der die klagende Partei vertritt, kommt ins Büro seines Rechtsanwalts Kolenatý, um sich nach dem Ausgang zu erkundigen. Er trifft jedoch nur den Referendar Vítek an. Bald darauf erscheint im Büro Víteks Tochter Kristina, eine angehende Opernsängerin, und erzählt begeistert von der berühmten Sängerin Emilia Marty, die wenig später in Begleitung des Anwalts Kolenatý in der Tür erscheint. Marty erkundigt sich nach dem Stand von Gregors Gerichtsprozess und verblüfft alle Anwesenden mit ihren Kenntnissen der Ereignisse, die sich vor hundert Jahren abspielten. Sie weiß sogar von einer Affäre des längst verstorbenen Barons Prus mit einer gewissen Ellian MacGregor und kann genau den Ort benennen, an dem einige bislang noch nicht bekannte Papiere, darunter auch das Testament von Baron Prus, zu finden seien. Kolenatý glaubt ihr nicht, aber auf den Druck Albert Gregors hin begibt er sich gezwungenermaßen in Prusʼ Haus, um die genannten Dokumente dort zu suchen. Nach einer Weile kehrt er zusammen mit Gregors Gegenspieler Jaroslav Prus zurück, und die beiden verkünden, am von Marty benannten Ort tatsächlich ein Testament und andere bislang unbekannte Dokumente gefunden zu haben.

    2.Akt
    Hinter den Kulissen des Theaters unterhalten sich die Bühnenarbeiter über den glanzvollen Auftritt der Sängerin Emilia Marty. Zahlreiche Verehrer warten auf sie, darunter auch Jaroslav Prus. Sein Sohn Janek trifft sich im Theater mit seinem Schatz Kristina. Diese ist von Martys Persönlichkeit vollkommen fasziniert und möchte ebenfalls eine berühmte Künstlerin werden. Marty erscheint und empfängt der Reihe nach ihre Verehrer – unter ihnen auch Albert Gregor und der schwachsinnige Hauk-Šendorf, der in ihr seine verflossene Liebe Eugenia Montez erblickt. Ermüdet schickt Marty schließlich alle weg, es bleibt nur Jaroslav Prus. Der fragt Marty nach der Geliebten seines Vorfahren aus – der Sängerin Ellian MacGregor, die die Mutter eines unehelichen Kinds des Barons war. In den Urkunden findet sie sich jedoch unter einem anderen Namen – als Elina Makropulos. Marty interessiert sich jedoch vor allem für ein versiegeltes Kuvert, das sich zwischen den übrigen Papieren befindet, doch Prus weigert sich, es ihr zu überreichen. Es erscheint Albert Gregor, um Marty seine Liebe zu gestehen – die ihn jedoch zurückweist. Auch Janek hat sich in Marty verliebt. Die Sängerin bittet ihn darum, ihr aus dem Haus seines Vaters jenen geheimnisvollen Umschlag zu besorgen, in diesem Moment tritt jedoch Prus hinzu und willigt ein, Marty den Umschlag zum Lohn für eine gemeinsame Nacht zu übergeben.

    3.Akt
    Marty hat ihren Teil der Vereinbarung erfüllt und verlangt von Prus den versprochenen Umschlag. Sie erhält ihn, doch Prus ist enttäuscht – er hätte von ihrer Seite keine derartige unbeteiligte Kühle erwartet. Ein Dienstbote bringt die tragische Nachricht, dass Janek sich das Leben genommen hat, nachdem er ahnte, dass sein Vater eine Nacht mit Marty verbrachte. Der verwirrte Hauk kommt, um Marty die gemeinsame Flucht nach Spanien anzubieten. Sie erklärt sich einverstanden, doch in diesem Augenblick erscheinen Gregor, Kolenatý und Vítek mit seiner Tochter Kristina. Sie haben viele Fragen, denn nachdem Marty ein Erinnerungsfoto für Kristina unterschrieben hatte, mussten sie feststellen, dass ihr Autogramm identisch mit den Unterschriften auf den fast ein Jahrhundert alten Dokumenten ist. Sie bedrängen Marty immer mehr, bis die Sängerin schließlich ihr Geheimnis verrät. Ihr wahrer Name ist Elina Makropulos, und sie war die Tochter der Griechen Hieronymus Makropulos, der sich als Leibarzt von Kaiser Rudolph II. um die Herstellung eines Elixiers der ewigen Jugend bemühte. Er erprobte es an seiner eigenen Tochter, die nunmehr bereits 337 Jahre alt ist. Im Laufe der Jahrhunderte hat sie mehrfach ihre Identität gewechselt, unter anderem lebte sie unter dem Namen Ellian MacGregor und war damals Prusʼ Geliebte, doch war sie auch die spanische Zigeunerin Eugenia Montez, die Hauk-Šendorf in ihr erkannte. Nunmehr tritt sie als Emilia Marty auf und hat sich in die ganze Angelegenheit eingemischt, weil sie das Kuvert mit dem Rezept des Elixiers sucht – eben jenen Umschlag, den sie für eine gemeinsam verbrachte Nacht von Jaroslav Prus erhalten hat. Das Elixier wirkte nämlich nur 300 Jahre, so dass Marty, wenn sie denn weiter leben will, eine weitere Dosis einnehmen muss. Sie stellt jedoch fest, dass sie keine Freude am Leben mehr hat: ob seiner endlos langen Dauer hat es für sie jeden Sinn verloren und bereitet ihr nur noch Überdruss. Sie übergibt das Rezept Kristina und bietet ihr damit ewige Jugend, Schönheit und Ruhm. Das junge Mädchen jedoch verbrennt das Papier und entscheidet sich damit für ein zwar kurzes, aber erfülltes Leben.

Zu einem der Highlights des Festivals verspricht die Inszenierung der Sache Makropulos von der Opera Vlaanderen zu werden, die schon zahlreiche Werke Janáčeks auf ihrem Konto hat. Am Dirigentenpult wird einer der bedeutenden tschechischen Dirigenten stehen – Tomáš Netopil, der sich der Interpretation von Janáčeks Kompositionen regelmäßig sowohl im Theater als auch im Konzertsaal widmet. Die im Jahr 2016 erstmals aufgeführte futuristische Produktion ist das Werk des herausragenden ungarischen Filmregisseurs Kornél Mundruczó, dessen Filmschaffen regelmäßig bei renommierten Festivals wie etwa in Cannes oder beim Sundance Film Festival ausgezeichnet wird. Mundruczó ist auch der Gründer der unabhängigen Theaterkompanie Proton Theater, mit der er bei namhaften Festivals wie den Wiener Festwochen, in Berlin oder Brüssel auftritt.

Die Sache Makropulos ist eine logische Fortsetzung in Janáčeks Werk. Nach dem philosophischen Thema des Lebenskreislaufs im Schlauen Füchslein wandte sich der Komponist einem Sujet zu, welches die Fragen aufwirft, ob die Unsterblichkeit den Menschen Glück bringen kann oder ob der Inhalt des menschlichen Lebens gerade in der Unausweichlichkeit seines Endes liegt. Ausgangspunkt für die Oper war das gleichnamige Theaterstück von Karel Čapek (1890-1938). Čapek reagierte auf Janáčeks Bitte, ihm eine Opernadaption des Stückes zu gestatten, anfangs sehr skeptisch, und auf den ersten Blick mag es den Anschein haben, er habe Recht gehabt – einer Oper, die im wenig attraktiven juristischen Umfeld angesiedelt ist, voller Dialoge und mit einer so verwickelten Handlung, dass schon allein die Klärung der Familienverhältnisse eher eine Aufgabe für einen versierten Genealogen wäre, würde man nicht unbedingt allzu großen Erfolg prophezeien, und dies war auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht anders. Janáček kürzte jedoch den Text und veränderte mit dem untrüglichen Gespür des Dramatikers ähnlich wie beim Schlauen Füchslein das Ende – anders als in der Vorlage muss die unglückliche Elina Makropulos, eine weitere große Heldin Janáčeks, keine 300 Jahre leben und sich dabei in eine gefühllose Kreatur verwandeln, sondern darf schließlich im Frieden mit sich selbst und mit Gott dahinscheiden. Die Sache Makropulos war bei ihrer Premiere im Jahr 1928 ein großer Erfolg, und heute gehört das Werk vor allem im Ausland zu Janáčeks meistgespielten Opern.

Patricie Částková