20. 11. 2024, 19:00 Uhr

Mahen-Theater

Autor: Leoš Janáček

Dirigent: Anna Novotná Pešková

Regie: Veronika Kos Loulová

Ensemble:Mährisches Theater Olomouc

In Koproduktion mit:Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno

 

Erste Version (1904) in der Edition Mark Audus.

Die Inszenierung ist in Zusammenarbeit mit dem Mütterzentrum Úsměv mámy entstanden.

 

Weitere Aufführung: 21.11. um 19:00 Uhr

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1.Akt
Die anmutige Jenůfa befürchtet, dass ihr Liebhaber Števa zum Militär eingezogen wird. Sie erwartet ein Kind von ihm, und die Rekrutierung würde die vorzubereitende Hochzeit vereiteln. Auch Števas Halbbruder Laca wirbt um Jenůfa und neckt sie wegen Števa. Der angetrunkene Števa kommt mit seinen Freunden und mit Musikanten in die Mühle – er hat mit anderen Rekruten die Nichteinberufung gefeiert, wobei viel getrunken worden ist. Jenůfas strenge Pflegemutter Kostelnička (dt. Küsterin) sieht die frohe Gesellschaft mit Števa. Vor allen Anwesenden erklärt sie, dass sie die Hochzeit zwischen Jenůfa und Števa erst nach einer einjährigen Prüfung billigen wird, während der sich Števa nicht betrinken darf. Laca versucht Jenůfa zu überzeugen, dass Števa sie nur wegen ihrer Schönheit liebt, und im Streit verletzt er sie mit seinem Messer im Gesicht.

2.Akt
Kostelnička versteckt Jenůfa zu Hause, um der Schande zu entgehen, und behauptet, dass das Mädchen in Wien arbeite. Jenůfa hat mittlerweile einen Sohn zur Welt gebracht. Während Jenůfa schläft, erniedrigt sich Kostelnička vor Števa und bittet ihn, Jenůfa zu heiraten. Dieser sagt aber, dass ihm Jenůfa mit ihrem zerschnittenen Ge¬sicht nicht mehr gefalle und er außerdem bereits mit der Tochter des Dorfrichters verlobt sei. Dann erscheint Laca und bittet Kostelnička, ihm Jenůfa zur Ehe zu geben. Als ihm aber Kostelnička gesteht, dass Jenůfa Števas Kind geboren hat, ist er bestürzt. Sein Schwanken erkennend, lügt die verzweifelte Kostelnička, dass das Kind gleich nach der Geburt gestorben sei. Sobald Laca fort ist, ertränkt Kostelnička das Kind in einem eisigen Fluss und redet Jenůfa ein, dass sie zwei Tage im Fieber geschlafen habe und der Junge inzwischen gestorben sei. Die gequälte Jenůfa willigt in die Heirat mit Laca ein.

3.Akt
Während der Vorbereitungen zur Trauung von Jenůfa und Laca kommt die Nachricht, dass man im Fluss eine Kindesleiche gefunden habe. Jenůfa erkennt die Mütze ihres Söhnchens und wird des Mordes verdächtigt. Kostelnička gesteht vor allen ihre Tat. Ehe sie vom Dorfrichter weggeführt wird, vergibt Jenůfa ihr, weil sie versteht, dass ihre Stiefmutter es nur aus Liebe zu ihr getan hat. Jenůfa glaubt nicht, dass Laca sie noch zur Frau möchte, und schickt ihn weg. Laca verspricht ihr aber, auch in schlechten Zeiten an ihrer Seite zu stehen. Jenůfa begreift, dass sie in ihm ihre wahre Liebe gefunden hat, „mit welcher der Herrgott zufrieden ist“.

Die Ensemblemitglieder des Mährischen Theaters Olomouc haben sich im Rahmen des Festivals Janáček Brno in Koproduktion mit dem Nationaltheater Brno die zeitlose, düstere Geschichte aus der mährischen Provinz über Eifersucht, Vergebung, aber auch Hoffnung vorgenommen. Das von der Regisseurin Veronika Kos Loulová geleitete rein weibliche Inszenierungsteam stellt Jenůfa in der ursprünglichen Version aus dem Jahr 1904 vor. Denn dieses Jahr feiert die Oper den hundertzwanzigsten Jahrestag ihrer Uraufführung. Die neue Einstudierung präsentiert einen aktualisierten Blick auf dieses weltbekannte Operndrama – das unbarmherzige Schicksal Jenůfas verbinden die Inszenatorinnen unter anderem mit den authentischen Aussagen von Frauen, für die aus verschiedensten Gründen die Geburt ihres Kindes kein freudiges Ereignis war.

Das Inszenierungsteam hat sich entschieden, die Oper unter dem im Tschechischen sonst nicht üblichen Titel Jenůfa auf die Bühne zu bringen. So sollte einerseits der Blick gerade auf die Hauptheldin gelenkt werden, zum anderen hat sich dieser Name im Ausland als Titel der Oper eingebürgert.

Eines der grundlegenden und zeitlosen Lebensthemen, die Janáček hier beleuchtet, ist die Mutterschaft. Die Geburt eines Kindes wird gemeinhin als der Beginn des schönsten Lebensabschnitts wahrgenommen, doch kann dieser durch Depressionen oder Panikattacken zu einem furchtbaren Alptraum werden. Auf Anregung des Leiters des Mährischen Theaters David Gerneš wandte sich das Theater bei der Ausarbeitung des Konzepts an den Verein Úsměv mámy, der sich der fachgerechten Hilfe für Frauen mit postpartalen Depressionen und anderen psychischen Problemen im Zusammenhang mit der Mutterschaft widmet.

Marta Ljubková