7. 11. 2026, 11 Uhr
Leoš-Janáček-Haus
Klavier: Kento Satsuma & Jan Schulmeister
7. 11. 2026
11 Uhr
Leoš-Janáček-Haus
Klavier: Kento Satsuma & Jan Schulmeister

Leoš Janáček: Mährische Volkslieder für Klavier, JW VIII/23
Pavel Haas: Volkslieder für Klavier, HW VII/14
Václav Kaprál: Miniaturen, fünf Stücke für Klavier
Leoš Janáček: Im Nebel, JW VIII/22
Leoš Janáček: 1. X. 1905
Der Zyklus von fünfzehn Mährischen Volksliedern für Klavier von Leoš Janáček (1854–1928) stellt eine faszinierende neofolkloristische Parallele zu den romantischen „Liedern ohne Worte“ von Mendelssohn Bartholdy, Edvard Grieg oder Janáčeks Lieblingskomponisten Anton Rubinstein dar. Der Zyklus entstand in den Jahren 1921–1922 im Auftrag von Otakar Nebuška aus dem Prager Verlag Hudební matice Umělecké besedy. Zu einer Veröffentlichung kam es jedoch erst nach dem Tod des Komponisten. Janáčeks Bearbeitungen der Volkslieder sind aphoristische Miniaturen in einem modernen, unverkennbar janáčekschen Stil.
Die Entstehungszeit der Mährischen Volkslieder fällt in Janáčeks pädagogische Tätigkeit an der Brünner Abteilung der Meisterschule des Prager Konservatoriums. Die Überlegungen, die ihn bei der Arbeit an den Volksliedbearbeitungen beschäftigten, bezog er auch in seinen Unterricht ein. Im Laufe des Schuljahres legte er seinen Schülern einzelne Volkslieder vor, die sie als Seminararbeit für Klavier harmonisieren und arrangieren sollten.
Die erhaltenen Fünf Volkslieder für Klavier von Pavel Haas (1899–1944), die er um 1921–1922 unter Janáčeks Leitung komponierte, zeigen das außergewöhnliche Talent dieses bedeutendsten Janáček-Schülers und bieten einen interessanten Vergleich zu Janáčeks eigenem Zyklus.
Václav Kaprál (1889–1947) zählt nicht nur zu den wichtigsten tschechischen Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, sondern war – als Schüler von Alfred Cortot – auch ein herausragender Pianist. Er absolvierte Janáčeks Orgelschule und ergänzte seine Kompositionsstudien in den frühen 1920er Jahren in Prag bei Vítězslav Novák. Kapráls Miniaturen aus dem Jahr 1922 bestehen aus fünf kurzen Klavierstücken, in denen neben Einflüssen Janáčeks und Nováks auch Elemente des französischen Impressionismus und der deutschen Avantgarde hörbar werden.
Den Klavierzyklus Im Nebel vollendete Janáček im April 1912. Kurz zuvor, im Jahr 1910, war er mit seiner Frau und der Haushälterin in ein neues Haus im Garten der Orgelschule gezogen. Dort, verborgen vor der Außenwelt, von Selbstzweifeln geplagt und in melancholischer Stimmung, schuf er sein letztes größeres Werk für Soloklavier. Er arbeitete daran kurz nachdem er die Klavierstücke des französischen Komponisten Claude Debussy kennengelernt hatte – kein Wunder also, dass dieses träumerisch-melancholische Werk deutliche Züge des musikalischen Impressionismus trägt.
Text: Ondřej Pivoda




