
Antonín Dvořák: Klaviertrio Nr. 4 „Dumky“, op. 90, B 166
Leoš Janáček: Streichquartett nach Leo Tolstois „Kreutzersonate“, JW VII/8
Dmitri Schostakowitsch: Klavierquintett g-Moll, op. 57
Das Klaviertrio Nr. 4 e-Moll „Dumky“, op. 90, entstanden in den Jahren 1890–1891, zählt zu den originellsten und beliebtesten Werken der Kammermusik von Antonín Dvořák (1841–1904). Während der Komponist in seinen vorangegangenen Trios an der klassischen Sonatenform festhielt, wich er hier gänzlich davon ab und schuf einen einzigartigen sechsteiligen Zyklus, der auf der Form der Dumka basiert – einem ukrainischen Volkstanz, der durch abrupte Stimmungswechsel geprägt ist. Das Werk fasziniert durch den Kontrast zwischen schwermütigen, melancholischen Passagen und entfesselter, rhythmisch markanter Lebensfreude. Gerade diese emotionale Wandelbarkeit und die tiefe Verwurzelung in der volkstümlichen Inspiration verleihen den „Dumky“ eine immense innere Kraft, in der Dvořák seine melodische Erfindungsgabe meisterhaft mit einer unkonventionellen musikalischen Architektur verband.
Das Streichquartett nach Leo Tolstois „Kreutzersonate“ von Leoš Janáček (1854–1928) entstand 1923, seine Wurzeln reichen jedoch bis ins Jahr 1908 zurück, als Janáček ein heute verschollenes Klaviertrio schrieb, das von derselben Tolstoi-Novelle inspiriert war. Deren Hauptfigur ist eine Frau, die von ihrem despotischen, krankhaft eifersüchtigen Ehemann tyrannisiert und schließlich zu Tode gequält wird. „Ich dachte an eine arme Frau, gequält, geschlagen, zu Tode geprügelt“, sagte Janáček über das Motiv, das sich wie ein roter Faden durch viele seiner Werke zieht. Das Quartett dringt mit seiner leidenschaftlichen Ausdruckskraft bis ins Innerste menschlicher Emotionen und in die intimsten Sphären der Seele vor. Bereits kurz nach der Uraufführung im Jahr 1924 wurde es enthusiastisch aufgenommen und zählt auch mehr als ein Jahrhundert später zu den eindrucksvollsten Werken der Quartettliteratur.
In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre geriet der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) zunehmend unter Druck des sowjetischen Regimes und stand ständig im Visier der stalinistischen Geheimpolizei. Nach der manisch-depressiven 6. Sinfonie, die von der beklemmenden Atmosphäre der Angst zeugt, suchte der Komponist geistige und kompositorische Erneuerung durch eine Rückkehr zu den Wurzeln des bachschen Kontrapunkts. Sein Klavierquintett g-Moll, op. 57, enthält zahlreiche Anspielungen auf Bach: Die ersten beiden Sätze bilden ein Präludium mit Fuge, der vierte Satz ist im Stil einer neobarocken Arie gestaltet. Die erfolgreiche Uraufführung fand 1940 in Moskau statt, gespielt vom Beethoven-Quartett mit dem Komponisten selbst am Klavier, und eröffnete dem Werk den Weg auf die internationalen Konzertpodien.
Text: Ondřej Pivoda
PAVEL HAAS QUARTET
Das Pavel Haas Quartet wird weltweit für seinen reichen Klang, seinen ansteckenden Enthusiasmus und sein herausragendes Gespür für harmonisches Zusammenspiel geschätzt. Es gastiert in den prestigeträchtigsten Konzerthallen der Welt und wurde für seine Aufnahmen mit fünf Gramophone Awards sowie zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet, was seine Position als eines der führenden Streichquartette der Gegenwart festigte.
Zu den Höhepunkten der Saison 2025/2026 zählen die Rückkehr in den Musikverein Wien, die Philharmonie de Paris, den Pierre Boulez Saal in Berlin, die Elbphilharmonie Hamburg, das Muziekgebouw Amsterdam, das Konserthuset Stockholm und die Wigmore Hall in London. Des Weiteren kehrt das Ensemble in die National Concert Hall in Taiwan sowie in das Seoul Arts Center in Südkorea zurück und unternimmt im März 2026 eine Tournee durch Nordamerika.
Das Quartett, das als führender Interpret von Meisterwerken osteuropäischer Kammermusik bekannt ist, wurde zum Botschafter des Jahres der tschechischen Musik 2024 ernannt. Von 2025 bis 2027 ist das Pavel Haas Quartet gemeinsam mit der Tschechischen Philharmonie „Artistic Resident“ des Festivals Smetanova Litomyšl.
Das Ensemble tritt regelmäßig auf bedeutenden Bühnen wie der Wigmore Hall in London, der Berliner Philharmonie, dem Konzerthaus und Musikverein in Wien, dem Concertgebouw Amsterdam, der Elbphilharmonie Hamburg, der Tonhalle Zürich, der Philharmonie de Paris, der Accademia di Santa Cecilia, dem BOZAR in Brüssel, dem NCPA in Peking, dem LG Arts Centre und dem Seoul Arts Center in Seoul sowie der Carnegie Hall in New York auf. Anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums war das Quartett auf dem Cover der Zeitschrift The Strad zu sehen und gab dem BBC Music Magazine ein Interview. Letzteres listete das Ensemble unter den „10 besten Streichquartetten aller Zeiten“ und beschrieb es als „stilistisch stark und klangvoll, bekannt für seine leidenschaftlichen und furchtlosen Auftritte“.
Das Pavel Haas Quartet nimmt exklusiv für das Label Supraphon auf. Im September 2025 erscheint ihr nächstes Album mit den Streichquartetten Nr. 2, 3, 5 und 7 von Bohuslav Martinů. Das Ensemble erhielt fünf Gramophone Awards für Aufnahmen von Dvořák, Smetana, Schubert, Janáček und Haas. Für die Einspielung von Dvořáks Streichquartetten Nr. 12 „Amerikanisches“ und Nr. 13 erhielt es 2011 die prestigeträchtige Auszeichnung „Gramophone Recording of the Year“. The Sunday Times schrieb dazu: „Ihre Interpretation des Amerikanischen Quartetts gehört zu den besten Aufnahmen auf CD.“
Seit dem Sieg beim Premio Paolo Borciani in Italien im Jahr 2005 gehörten die Nominierung als ECHO Rising Stars 2007, die Teilnahme am Programm BBC New Generation Artists (2007–2009) und die Verleihung eines Sonderstipendiums des Borletti-Buitoni Trust im Jahr 2010 zu den weiteren Meilensteinen ihrer frühen Karriere. Das Quartett hat seinen Sitz in Prag und studierte bei dem verstorbenen Milan Škampa, dem legendären Bratschisten des Smetana-Quartetts. Seinen Namen übernahm das Ensemble von dem tschechisch-jüdischen Komponisten Pavel Haas (1899–1944), der 1941 in Theresienstadt inhaftiert wurde und drei Jahre später tragisch in Auschwitz ums Leben kam. Sein Vermächtnis umfasst drei prachtvolle Streichquartette.
Veronika Jarůšková – 1. Violine, Marek Zwiebel – 2. Violine, Šimon Truszka – Viola, Peter Jarůšek – Violoncello




