6. 11. 2026, 19 Uhr
Janáček-Theater
Dirigent: Jakub Hrůša
Bamberger Symphoniker
6. 11. 2026
19 Uhr
Janáček-Theater
Dirigent: Jakub Hrůša
Bamberger Symphoniker

Leoš Janáček: Eifersucht (Vorspiel zu „Jenůfa“), JW VI/10
Antonín Dvořák: Die Waldtaube, sinfonische Dichtung, op. 110, B 198
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 4 Es-Dur „Die Romantische“, WAB 104
Die Komposition der Oper Jenůfa beschäftigte Leoš Janáček (1854–1928) über acht Jahre. Bereits zu Beginn dieser Arbeit, im Februar 1895, schrieb der Komponist unter dem Titel Eifersucht eine symphonische Einleitung zu dieser Oper. Anstatt eine klassische Opernouvertüre zu schaffen, konzipierte Janáček dieses kurze Stück als eine Art Motto oder musikalische Reflexion über eines der zentralen Handlungsmotive. Als programmatische Grundlage diente ihm der Text des mährischen Volkslieds Der Eifersüchtige, das er einige Jahre zuvor als Männerchor vertont hatte. In Eifersucht kristallisiert sich zum ersten Mal vollständig Janáčeks unverwechselbarer Stil, geprägt von prägnanter Kürze und dramatischer Spannung. Die Komposition wurde am 14. November 1906 in Prag von der Tschechischen Philharmonie unter der Leitung von František Neumann uraufgeführt.
Die sinfonische Dichtung Die Waldtaube, op. 110 von Antonín Dvořák (1841–1904), entstand knapp zwei Jahre nach Janáčeks Eifersucht im Herbst 1896 als letztes Werk aus dem Zyklus der vier sinfonischen Dichtungen nach dem Gedichtzyklus Kytice von Karel Jaromír Erben. Die grausame Handlung der Erben’schen Ballade – geprägt von Mord und drückendem Schuldbewusstsein – weist zahlreiche Parallelen zu den Themen der Eifersucht und von Jenůfa auf. Es ist daher kaum verwunderlich, dass dieses Werk Janáčeks Aufmerksamkeit auf sich zog – so sehr, dass er Dvořák überredete, die Uraufführung in Brünn stattfinden zu lassen. Unter Janáčeks Leitung erklang Die Waldtaube dort am 20. März 1898 zum ersten Mal. Dvořák verlieh der tragischen Erzählung nicht nur anmutige Melodien, sondern auch eine reiche Palette erfinderischer, klangmalerischer Effekte.
Die Vierte Symphonie, die ihr Schöpfer mit dem Beinamen Die Romantische versah, gehört zu den meistgespielten Werken von Anton Bruckner (1824–1896). Die poetischen Beschreibungen, die der österreichische Komponist den einzelnen Sätzen hinzufügte, deuten darauf hin, dass ihn die Welt mittelalterlicher Städte, umgeben von geheimnisvollen Wäldern mit Rittern und Jägern, inspiriert hat. Bruckner komponierte seine Vierte Symphonie im Jahr 1874 und überarbeitete sie in den folgenden Jahren mehrfach grundlegend. Sein monumentaler, von Wagner beeinflusster Stil stieß zur Zeit ihrer Entstehung bei den Interpreten auf Unverständnis, weshalb das Werk lange auf seine Uraufführung warten musste. Diese fand schließlich 1881 in Wien statt, gespielt von den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Hans Richter. In den böhmischen Ländern wurde die Symphonie erstmals am 21. April 1893 in Brünn aufgeführt – dirigiert von Bruckners Freund und Lehrer Otto Kitzler.
Text: Ondřej Pivoda


