Leoš Janáčeks erstes Opernwerk, das Drama Šárka, liegt in zwei unterschiedlichen Fassungen vor: der ursprünglichen Kammermusikfassung aus den Jahren 1887–1888, die der Komponist lediglich als Klavierauszug fertigstellte, und der überarbeiteten Orchesterfassung aus dem Jahr 1925. Die kommende Ausgabe des Festivals Janáček Brno bietet dem Publikum die einmalige Gelegenheit, beide Fassungen zu erleben – vom unmittelbaren, immersiven Theatererlebnis bis hin zur eindrucksvollen Konzertaufführung.


Immersive Premiere im Besední dům: Der Kampf um Frauenrechte aus nächster Nähe

Die neue Opernsaison und das Festivalprogramm werden am 28. Oktober 2026 im Besední dům mit der Premiere einer Inszenierung in der Regie von Jiří Heřman eröffnet. Der Regisseur wählte bewusst die Kammerfassung mit Klavier, um das Publikum in den historischen Räumlichkeiten mitten in den dramatischen Konflikt zwischen Männern und Frauen zu versetzen. Die Zuschauer werden so zu aktiven Mitgestaltern von Janáčeks allererster Oper.

„Ich wollte den Zuschauerraum und die Bühne auf einer Ebene miteinander verbinden. Deshalb fiel die Wahl auf das Besední dům – einen Ort, an dem Janáček wirkte, den Chor leitete und wo zentrale Konzerte stattfanden. Mich fasziniert, wie Musik den Raum verändern kann. Das Libretto von Šárka ist recht archaisch und für das heutige Publikum nicht leicht zugänglich. Daher wollte ich eine Theaterform erproben, die auf direkte Interaktion setzt. Dank der Klavierfassung können wir Publikum und Ausführende ganz nah zusammenbringen und einen intensiven, lebendigen Kontakt zur Musik und zur Geschichte herstellen“, erklärt Regisseur Jiří Heřman.

Den Kampf um die Frauenrechte gestaltet der Damenchor der Janáček-Oper NdB mit Eliška Gattringerová in der Titelrolle der Šárka. In den männlichen Hauptrollen sind hochkarätige britische Gäste zu erleben: der schottische Tenor Nicky Spence (Ctirad), der beim Festival bereits als Matěj Brouček begeisterte, und der Klaviervirtuose Julius Drake, den das Magazin The New Yorker zur absoluten Weltklasse der Liedbegleiter zählt.

Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Dirigent Dominik Pernica:

„Ich lasse der Aufführung ein Stück weit ihr eigenes Leben und greife nur in den Ensemble-Passagen ein, wenn Solisten und Chor koordiniert werden müssen“, ergänzt er zur besonderen Rolle des Dirigenten im immersiven Raum.

  • Premiere: 28. Oktober 2026 (Besední dům)

  • Folgevorstellungen: 15. und 16. November 2026 (Die Vorstellung am 16. November wird vom Tschechischen Fernsehen für eine Übertragung auf OperaVision aufgezeichnet)


Die Orchesterfassung im Mahen-Theater: Rückkehr zu den historischen Wurzeln

Einen zweiten Blick auf Janáčeks Erstlingswerk ermöglicht am 11. November 2026 eine außergewöhnliche konzertante Aufführung im Mahen-Theater. Die überarbeitete Fassung der Oper erklingt in voller Orchestrierung unter der Leitung des britischen Dirigenten Christopher Ward, interpretiert vom Orchester und den Solisten des Nationaltheaters Prag – genau so, wie sie vor über hundert Jahren an diesem Ort ihre Uraufführung erlebte. Einen wirkungsvollen Kontrast zu diesem Abend bildet Josef Suks lyrisches Märchen (Pohádka).

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