2. 10. 2020, 19.00 Uhr

Mahen-Theater

Autor: Leoš Janáček
Dirigent: Martin Doubravský
Regie: Linda Keprtová

1.Akt

An einem heißen Sommernachmittag geht der Förster durch seinen Wald. Bei einer kurzen Rast schläft er ein. Der Wald ist voller Leben: Fliegen schwirren umher, eine Grille und eine Heuschrecke spielen Walzer, eine Mücke schwankt betrunken von menschlichem Blut und ein kleiner Frosch versucht sie zu fangen. Das kleine Füchslein Bystrouška beobachtet erstaunt das Geschehen. Besonderes Interesse erregt der Frosch. Als es sich ihn aber genauer ansehen möchte, springt dieser erschrocken dem Förster ins Gesicht. Der aufgewachte Förster erblickt Bystrouška, und ehe sich das Füchslein versieht, wird es ins Haus des Försters gebracht. Verwandlung Bystrouška lebt gefangen auf dem Hof der Försterei in der Gesellschaft des Hundes Lapák und einiger Hühner. Pepík, der Enkel des Försters, prahlt vor seinem Freund Frantík mit dem neuen Zuwachs. Die Jungen setzen Bystrouška mit einer Gerte zu. Die Füchsin beißt Pepík ins Bein und wird zur Strafe angeleint. Die ganze Nacht sehnt sie sich nach dem freien Leben im Walde. Am Morgen denkt sie sich einen neuen Plan aus. Als erster bekommt es der Hahn mit seinen Hennen zu spüren, die sich mit ihrer beispielhaften Tüchtigkeit brüsten. Bystrouška überlistet die einfachen Geschöpfe, was den Hahn und die meisten Hennen schließlich ihr Leben kostet. Der wütende Förster will die Füchsin verprügeln, sie beißt jedoch die Leine durch und verschwindet im Wald.

2.Akt

Bystrouška wurde während ihres Aufenthalts im Haus des Försters ein bisschen vorlaut und spöttisch. Sie vertreibt den alten Dachs und bezieht zufrieden seine Dachshöhle. Verwandlung Im Wirtshaus „U Pásků“ sitzt der Förster mit seinen Freunden beim Kartenspiel und einem guten Tropfen. Der Förster macht sich über des Schulmeisters Zuneigung zu Terynka lustig, dieser kontert mit einer Frage nach Bystrouška. Alle verlassen das Wirtshaus mit taumeligen Schritten. Bystrouška beobachtet heimlich die nächtlichen Passanten. Sie versteckt sich unter Sonnenblumen, wohin auch der betrunkene Schulmeister fällt, nachdem er die wippenden Blüten für das Antlitz seiner geliebten Terynka gehalten hat. Der Pfarrer erinnert sich an seine Studentenliebe, dessen Gedanken werden ebenfalls von Bystrouška gestört. Der herbeikommende Förster schießt auf die Füchsin; der Schulmeister und der Pfarrer laufen erschrocken davon. Verwandlung In einer lichten Sommernacht begegnet Bystrouška dem stattlichen Fuchs Zlatohřbítek. Aus der anfänglichen Sympathie wird Liebe. Die Waldtiere beobachten entrüstet Bystrouškas unsittlichen Lebenswandel, erst eine schnelle Hochzeit beruhigt sie.

3.Akt

Der Sommer ist vorbei, und der Förster trifft den Wilderer und Geflügelhändler Harašta im Wald. Harašta erzählt von seiner anstehenden Hochzeit mit Terynka. Den Förster interessiert jedoch eher, ob Harašta in seinem Revier wildert. Später erscheint Bystrouška mit Zlatohřbítek und einigen jungen Füchschen. Als Bystrouška Harašta mit einem Tragekorb Geflügel wittert, will sie ihn necken. Sie tut, als ob sie hinke, und immer wenn Harašta auf sie zielt, läuft sie geschwind davon. Aber das Spiel endet tragisch – Harašta trifft und erschießt Bystrouška. Verwandlung Der Förster erfährt im Wirtshaus, dass Haraštas Braut Terynka einen Fuchspelz zur Hochzeit bekommen habe – deshalb hat er also den Fuchsbau leer vorgefunden! Die Nachricht von Terynkas Vermählung betrübt den Schulmeister zutiefst, der Förster beruhigt ihn, dass sie sowieso keine gute Frau für ihn gewesen wäre. Allen wird schwer ums Herz, der Förster geht lieber nach Hause. Auf dem Weg durch den Wald erinnert er sich an seine Jugend, bewundert die Schönheit der Natur und wird gewahr, wie sich das Leben ewig wiederholt. Der Wald sieht aus wie damals, als er Bystrouška fing. Da sieht er wieder ein Füchslein… wie der Mutter aus dem Gesicht geschnitten! Er will es wiederum fangen, aber ein kleiner Frosch, ein Enkel des damaligen, durchkreuzt das Vorhaben.

Musikeinstudierung, Dirigent: Martin Doubravský

Regie: Linda Keprtová

Bühnenbild: Michal Syrový

Kostüme: Tomáš Kypta

Choreografie: Ladislava Košíková

Dramaturgie: Vojtěch Babka

Chorleiter: Anna Novotná Pešková

CAST

Füchslein Schlaukopf: Livia Obručnik Vénosová

Fuchs: Alžběta Vomáčková

Der Förster: Pavel Vančura

Der Schulmeister / Mücke: Dušan Růžička

Der Pfarrer / Dachs: Josef Kovačič

Die Frau Försterin: Jaroslava Schillerová

Der Gastwirt Pásek: Sergej Kostov

Die Gastwirtin Pásková / Specht: Blanka Černá

Lapák: Petra Vondrová

Harasta, ein Landstreicher: Csaba Kotlár

Hahn / Eule: Věra Poláchová

Chocholka: Radka Černíková

Die Kinder: Kinderchor Severáček 

(Chorleiter: Silvie Pálková)

Sohn: Marian Mičjar

Die Schwiegertochter: Anna Novotná-Pešková

Obgleich Janáčeks Oper Das schlaue Füchslein untrennbar mit Brno verbunden ist, wird sie beim diesjährigen Festival in einer neuen Inszenierung der Regisseurin Linda Keprtová, des Chefdirigenten Martin Doubravský und des Opernensembles des F.-X.-Šalda-Theaters aus Liberec zu erleben sein. Das Opernensemble dieser Bühne konnte in letzter Zeit Zuschauer wie Kritiker mit einer Reihe interessanter Aufführungen begeistern, und auch die Resonanz auf die letzte Janáček-Inszenierung war sehr positiv. Die Festivalbesucher dürfen sich daher auf den frischen Ansatz einer jungen Regisseurin zu einem der beliebtesten Werke Leoš Janáčeks freuen.

Jede Oper Janáčeks ist ein Original, und nicht anders ist dies auch im Falle des Schlauen Füchsleins, wo auf der Bühne die menschliche und die Tierwelt fließend ineinander übergehen. Das Werk ist lyrisch und melodisch, es sprüht vor Humor, der liebevoll, aber gleichzeitig auch in bester Janáček-Manier leicht stichelnd ist, und es fesselt durch seine Erdverbundenheit und seine liebevolle Lebensphilosophie vom ewigen Kreislauf des Lebens. Am Beginn der Geschichte vom schlauen Füchslein stand die Entscheidung der Brünner Redaktion der Tageszeitung Lidové noviny, ihre Leser regelmäßig mit gezeichneten Bildern des Malers Stanislav Lolek und dazu einem witzigen Text des Schriftstellers und Journalisten Rudolf Těsnohlídek zu unterhalten. Die Bildgeschichten vom Füchslein Bystrouška – Schlaukopf (das ursprünglich eigentlich Bystronožka – Flinkfuß heißen sollte, aber durch einen Irrtum des Setzers in der Druckerei seinen Namen wechselte) erschienen in den Lidové noviny von April bis Juni 1920 vier- oder fünfmal pro Woche. Schon bald erfreuten sie sich allgemeiner Beliebtheit und wurden in der Folge auch als Buch herausgegeben. Der Haushalt der Janáčeks gehörte zu den regelmäßigen Lesern der Lidové noviny, und die Bildgeschichten fanden das Gefallen des Komponisten. In den Sommerferien 1921 begann er das Szenario einer neuen Oper über das Schlaue Füchslein zu skizzieren und nahm die Arbeit am Libretto auf. Von den ursprünglich dreiundzwanzig Kapiteln der Geschichtenserie übernahm Janáček nur zehn, wobei er den Schwerpunkt auf die Welt der Tiere legte und die Zahl der auftretenden menschlichen Charaktere reduzierte, bisweilen auch mehrere in einer Figur zusammenfasste. Während Těsnohlídeks Erzählung mit der Hochzeit von Schlaukopf und Goldrücken endet, entschloss sich Janáček zu einer grundlegenden Änderung und ließ die Hauptfigur sterben, da er als echter Dramatiker die Notwendigkeit einer Katharsis spürte. Die reizende Geschichte aus dem Leben der ersten Republik hob er damit auf eine höhere Ebene, die zum Nachsinnen über den ewigen Kreislauf des Lebens anregt.

„Warum? Weil wir uns darin immer noch wiedererkennen.“ Diese These war der Schlüssel auf meinem persönlichen Weg zum Schlauen Füchslein. Bei meiner persönlichen Suche, die mich immer wieder aufs Neue überrascht, weil ich immer wieder „nur“ auf den gewöhnlichen Menschen stoße, diesen größten Wert, den wir haben, finde ich in der Oper, in einer Form, die so abgehoben von den Sorgen des Alltags zu sein scheint. Immer wieder aufs Neue verwundert mich, wir leicht jeder von uns ein solcher Förster werden kann, wie vielen solchen Schulmeistern, von der Liebe geknechteten Menschen, für die es keinen Weg zurück mehr gibt, wir jeden Tag begegnen, ohne es zu bemerken. Und wie viele von uns sich schon von irgendeinem Füchslein haben drücken lassen, dem wir von Beginn an die Daumen drücken, auf das wir unsere eigenen Träume und Wünsche projizieren, wie viele schon einmal wie die Försterin gebettelt haben. Janáček schreibt über die gewöhnlichen Dinge des Menschen. Über Themen, die unseren Alltag begleiten und damit alltäglich werden. Er beschreibt eine Ordnung, wo das Neue mit dem Alten konkurriert, eine Ordnung, wo jedes Geschöpf für die Möglichkeit des freien Denkens kämpft, er schreibt von den Sehnsüchten, die heute wie auch in Zukunft unsere stärkste Motivation sein werden. Er schreibt über uns alle. Schreibt, ohne zu verurteilen , denn wer weiß schon, wer wir sind…

Linda Keprtová