16. 10. 2020, 19.00 Uhr

Janáček-Theater

Dirigent: Jakub Hrůša

https://www.yumpu.com/cs/document/read/64554647/mfjb-2020-bamberk-program

Das Abschlusskonzert der Bamberger Symphoniker am 16.10. erfolgt im Form einer Live-Übertragung in den Zuschauerraum des Janáček-Theaters sowie auf den Webseiten des Festivals und der Bamberger Symphoniker.

Chefdirigent Jakub Hrůša findet dazu die folgenden Worte: „Der Auftritt mit den Bamberger Symphonikern in meiner Geburtsstadt beim Festival Janáček Brno war für mich wie auch für mein Orchester das wichtigste Projekt der Saison, die Zusammenstellung des Programms und seine Vorbereitung haben wir mit viel Energie und Herzblut angegangen. Leider hat es uns die epidemiologische Lage nun unmöglich gemacht, selbst mit dem ganzen Orchester nach Brno zu fahren. Dennoch werden wir aus eigener Initiative und mit voller Unterstützung der Festivalleitung für unser Publikum spielen. Ich bin glücklich, dass es uns trotz der schwierigen Lage gelungen ist, eine Live-Übertragung des unveränderten Programms zu organisieren. Für die Aufführung in Bamberg geben wir alles, und wir werden im Geiste die ganze Zeit bei Ihnen in Tschechien sein. Die zeitlose Musik von Leoš Janáček und Richard Strauss wird uns dabei helfen, die Entfernung zu überbrücken.”

Leoš Janáček (1854–1928): Große Suite aus der Oper Das schlaue Füchslein (Arrangement Jakub Hrůša)

Richard Strauss (1864–1949): Eine Alpensinfonie, op. 64

Das Konzert der Bamberger Symphoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrůša präsentiert die Werke zweier Werke derselben Generation und ihre überaus unterschiedliche Reflexion der Natur.

Offensichtlich brachte die Tatsache, dass ein so herausragender Komponist wie Leoš Janáček nur eine wenige Werke für Symphonieorchester komponiert hat, die Dirigenten schon bald nach seinem Tode dazu, seine Opernpartituren als Opernsuiten zu arrangieren, womit sie auch bei symphonischen Konzerten gespielt werden konnten. Die erste derartige Suite schuf der herausragende Dirigent Václav Talich aus der Oper Das schlaue Füchslein, wobei er jedoch nur die Musik des ersten Akts verwendete. Im Jahr 2017 entschied sich Operndirigent Jakub Hrůša, die rein orchestralen Passagen zur Schaffung einer Suite aus ebendieser Oper zu nutzen. Dabei war er sich wohl bewusst, dass die Orchestermusik ohne Gesang im Falle des Schlauen Füchsleins mehr als ein Drittel der gesamten Oper ausmacht. So entstand eine Suite, die chronologisch der Opernhandlung folgt und die für das Orchester bestimmten Teile erklingen lässt. Das Ergebnis ist mehr als gelungen und hilft uns zu begreifen, wie eigenwillig, impressiv und mitreißend der Orchesterpart dieser Oper ist, die Janáček in den Jahren 1922–24 komponierte. In Brno wird diese Orchestersuite erstmalig zu hören sein.

Eine Alpensinfonie ist der Titel eines eher selten aufgeführten symphonischen Gedichts von Richard Strauss, das er in den Kriegsjahren 1914–15 komponierte. Nach der Symphonie Domestica wollte Strauss eigentlich nur noch für die Opernbühne schreiben, doch zum Glück hielt er sich nicht an diesen Vorsatz. Aus dem Fenster seines Landhauses in Garmisch hatte er einen herrlichen Blick auf den Gipfel der Zugspitze und das imposante Wettersteinmassiv, und diese Szenerie wollte er musikalisch verarbeiten. In seiner Symphonie sollte ein effektvolles musikalisches Alpenpanorama entstehen, das ausschließlich sichtbare Tatsachen beschreibt, nicht jedoch den geistigen Bezug zur Natur. Durch diese musikalische Malerei entstand ein ganz außergewöhnliches Werk – so finden wir in der Partitur etwa Kuhglocken oder Instrumente, die ein Gewitter nachahmen. Nach ihrer Uraufführung in Berlin wurde die Symphonie von den Kritikern als Idylle tituliert (ähnlich wie Janáček sein Schlaues Füchslein eine „Waldidylle“ nannte), und die gewisse Einfachheit oder nachgerade Naivität, die man von Strauss nicht erwartet hätte, kommentierte dieser selbst mit den Worten: „Ich hab einmal komponieren wollen, wie die Kuh Milch gibt.

Autor: Jiří Zahrádka