20. 11. 2022, 19 Uhr

Abschlussfeier des Festivals

Aufführungsort: Janáček-Theater

Autor: Erwin Schulhoff

Dirigent: Jiří Rožeň

Regie: Calixto Bieito

Nationaltheater Prag

Orchester des Nationaltheaters Prag

 

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  1. Akt
  2. 1. Szene, Nocturne

Die Schatten singen von den sexuellen Entladungen Don Juans und von der Leidenschaft, welche La Morte für ihn hegt. Unter den Klängen eines Flötensolos betritt Don Juan das dunkle, verlassene Haus, um dort eine weitere Frau zu verführen. Man hört ihr ekstatisches Stöhnen.

  1. Szene, Lied des Feuers

Die Schatten singen von einer Frau, deren Sehnsucht nach Don Juan so groß ist, dass sie sich seinen Leib in der Farbe des Feuers vorstellt.

  1. Szene, Mitternachtsmesse

Don Juan, entschlossen, von seinem liederlichen Verhalten abzulassen, betritt während der Mitternachtsmesse die Kirche, doch wird er von einer Nonne verführt. La Morte spielt auf der Orgel Gloria, während draußen die Musik eines Foxtrotts erklingt.

  1. Szene, Chimäre

Don Juan klettert einen Berg aus nackten Frauenleibern hinauf. Auf dem Gipfel trifft er auf La Morte, die auf ihn wartet.

  1. Szene, Galerie

Don Juan betritt eine Skulpturengalerie voller Männerfiguren. Die Männer sind seine toten Vorfahren, die im Gegensatz zu ihm das Glück gefunden haben.

  1. Szene, Gespräch

Don Juan unterhält sich mit einer Frau, derselben, die zuvor als Nonne erschienen ist. Ihr Gespräch wird unterbrochen, als Don Juan das Trugbild einer anderen Frau erscheint, deren Leib die Farbe des Feuers hat.

  1. Szene, Sturm und Dialog mit dem Meer

Margarete und Don Juan geben sich während eines Sturms der Liebe hin. La Morte erscheint und tötet Margarete. Don Juan steht dem Meer zugewandt und erzählt von seiner Sehnsucht nach dem Tod.

  1. Akt
  2. Szene, Karnevalsnacht

Es ist die Karnevalsnacht. Don Juan und Donna Anna tanzen inmitten einer Gruppe von Mimen der Commedia dell’arte einen Foxtrott. Ein Harlekin sagt die Szenen des Grauens voraus, die sich um Mitternacht abspielen werden. Donna Anna weist Don Juans Liebeswerben zurück und sagt zu ihm: „Du bist ein getreues Bild des Todes.“ Don Juan ermordet darauf Donna Annas Ehemann, den Komtur, während sie sich das Leben nimmt.

  1. Szene, Festmahl

Don Juan bemüht sich vergeblich, Donna Anna wieder zum Leben zu erwecken, als eine Gruppe nackter Frauen um ihn herumzutanzen beginnt. Er kann sie nicht zum Innehalten bringen, und so ruft er voller Sehnsucht nach La Morte. La Morte sagt ihm, dass er ihr lebendig näher sein werde als tot. Der Komtur spricht daraufhin einen Fluch aus und verdammt Don Juan damit zum ewigen Leben. Als Don Juan den Fluch hört, erschießt er sich, doch anstatt zu sterben, verwandelt er sich in einen noch jüngeren Mann.

  1. Szene, Nocturne

Don Juan, verdammt zur verzweifelten Wiederholung seines Lebenslaufs, betritt unter den Klängen des gleichen Flötensolos erneut das dunkle Haus, wo die Oper begonnen hat, um ein weiteres Opfer zu verführen. La Morte und die Schatten lauern in der Finsternis und singen, wobei die letzten Worte der Oper La Morte gehören: „Die Rettung ist so weit – wieder einmal.“

Regie: Calixto Bieito

Bühnenbild: Calixto Bieito, Anna Sofia Kirsch

Kostüme: Paula Keller

Chorleiter: Adolf Melichar

Dramaturgie: Jitka Slavíková

 

Besetzung:

Don Juan: Denys Pivnitsky

La Morte: Tone Kummervold

Eine Frau / Eine Nonne / Donna Anna: Světlana Sozdetaleva

Margarethe: Lucie Hájková

Der Komtur: Pavel Švingr

Harlekin: Ivo Hrachovec

Pantalon: Michal Marhold

Schatten: Jana Sibera, Tamara Morozová, Yukiko Kinjo, Stanislava Jirků, Veronika Hajnová, Kateřina Jalovcová

Das Festivalprogramm bietet auch interessante Kontexte und Kontraste zu Janáčeks Werken. Diesmal wird das Opernensemble des Nationaltheaters Prag zum Abschluss des Festivals eine wirkliche dramaturgische Großtat präsentieren – eine Neuinszenierung von Erwin Schulhoffs Oper Flammen unter der Regie von Calixto Bieito. Diese Oper hatte ihre Uraufführung 1932 gerade im heutigen Mahen-Theater in Brno, und auf das Don-Juan-Thema brachte den Komponisten Janáčeks langjähriger Freund Max Brod. 

Erwin Schulhoff (1894–1942) stammte aus einer Prager jüdischen Familie deutscher Herkunft. Nach seiner Ausbildung am Prager Konservatorium, die er bereits mit zehn Jahren begann, studierte er in Wien, Leipzig (Komposition bei Max Reger) und in Köln. Den vielversprechenden Auftakt seiner künstlerischen Laufbahn unterbrach der Beginn des Ersten Weltkriegs. Schulhoff verbrachte den Krieg als Soldat an der Ostfront, was seinen Blick auf die Kunst dauerhaft formen sollte. Nach dem Ende des Krieges wirkte er als herausragender Pianist in den Zentren der europäischen Musikszene. In jener Zeit entwickelte sich seine Begeisterung für den Jazz wie auch für das Werk Igor Strawinskys. Wie jener begann auch Schulhoff in seinem Schaffen impressionistische, expressionistische und auch neoklassische Verfahren zu kombinieren. Autor der Vorlage, welche Max Brod dem Komponisten empfohlen hatte, war der tschechische Schriftsteller Karel Josef Beneš, der später als Verfasser der psychologischen Romane Das geraubte Leben und Das Zauberhaus zu internationalem Erfolg gelangen sollte. Seine Verarbeitung der Don-Juan-Legende war unkonventionell und fand das Gefallen des experimentierfreudigen Schulhoff. Die surrealistische Handlung enthält neben der Geschichte des Don Juan auch Elemente der Sage vom Ewigen Juden und ist durch Freuds Psychoanalyse beeinflusst. 

Das Werk an der Grenzlinie von Oper, Pantomime und symphonischer Dichtung ist eine Aneinanderreihung von zehn lose miteinander verbundenen Szenen. Don Juan ist verliebt in den Tod, personifiziert in der Figur der La Morte, der einzigen Frau, die er noch nie verführen konnte. Für seine Taten fällt er nicht wie Mozarts Don Giovanni der Hölle anheim, sondern wird zur unendlichen Wiederholung seines Lebens verurteilt – unter den Klängen eines Flötensolos jenes verdunkelte Haus zu betreten, in dem die Oper begonnen hat, um dort das nächste Opfer zu verführen. Dies wird aus der Ferne von den sechs Schatten beobachtet – Frauen, die wie ein griechischer Chorus das Geschehen auf der Bühne und auch Don Juans Leben kommentieren. Die Oper findet ihren Abschluss mit den Worten der La Morte: Die Rettung ist so fern – wieder einmal. Zum Zeitpunkt der Entstehung der Oper konnte weder Schulhoff noch Beneš ahnen, dass ihnen ein ähnliches Schicksal widerfahren würde: Beneš wurde für seine Widerstandstätigkeit gegen die Nationalsozialisten zum Tode verurteilt. Die Todesstrafe wurde in eine Haftstrafe umgewandelt (1941–1945), und er überlebte den Krieg. Schulhoff dagegen erlebte das Kriegsende nicht mehr; als jüdischer Künstler wurde er in das Internierungslager auf der Wülzburg in Bayern verschleppt, wo er im August 1942 an Tuberkulose starb.

Schulhoffs Flammen stellen eine ganz einzigartige Herangehensweise an das Operngenre dar, das Motiv der Verdammung Don Juans zu einem ewigen Leben zeigt Parallelen zu Janáčeks Sache Makropulos.

Patricie Částková

 

                     

Musica non grata – ein vierjähriges Projekt des Nationaltheaters Oper und der Staatsoper in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag.

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