17. 11. 2022, 19 Uhr

Janáček-Theater

Dirigent: Tomáš Hanus

Bariton: Adam Plachetka

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Benjamin Britten: Four Sea Interludes aus der Oper Peter Grimes, op. 33a 

Antonín Dvořák: Biblische Lieder, op. 99

Richard Wagner: Vorspiel und Liebestod aus Tristan und Isolde

Leoš Janáček: Sinfonietta, JW VI/18

Der wohl bedeutendste britische Komponist Benjamin Britten machte gleich mit seiner ersten Oper Peter Grimes, die er in den schweren Jahren des Zweiten Weltkriegs komponierte, auf sich aufmerksam. Das Werk erlebte nach seiner Uraufführung im Jahr 1945 einen gewaltigen internationalen Erfolg. Die überaus raffiniert konzipierte Partitur verbindet die einzelnen Szenen durch bemerkenswerte Interludien, die durch ihre außergewöhnliche Kompositionsweise und die brillante Instrumentierung begeistern. Daher brachte der Komponist sie in eine solche Form, dass sie auch als selbständige Konzertstücke aufgeführt werden können. 

Antonín Dvořáks Biblische Lieder entstanden während der Amerikareise des Komponisten im Jahr 1894. Die zehn Lieder für Altstimme und Klavierbegleitung basieren auf König Davids Buch der Psalmen. Es handelt sich um sehr schlicht konzipierte Lieder, was jedoch gerade ihre Wirkung und geistliche Kraft ausmacht. Dvořák führt hier eine sehr persönliche Unterhaltung mit Gott voller Vertrauen und Hingebung. Schon gleich nach der Premiere war klar, dass die Biblischen Lieder gleichsam den Höhepunkt ihres Genres darstellen. Ein Jahr später machte sich der Komponist daran, die ersten fünf Lieder aus dem Zyklus auch für ein symphonisches Orchester zu instrumentieren. 

 

Anfang der Fünfzigerjahre des 19. Jahrhunderts lernte Richard Wagner Arthur Schopenhauers Buch Die Welt als Wille und Vorstellung kennen. Dieses Werk des Philosophen veränderte in grundlegender Weise den Blick Wagners auf das menschliche Dasein und hatte einen ebenso tiefgreifenden Einfluss auf sein Opernwerk, so etwa auch auf die in den Jahren 1857–59 entstandene Oper Tristan und Isolde. Wagner enthüllt in diesem Werk die innere Welt der Titelfiguren, ihre von vornherein zum Untergang verurteilte Liebe findet ihre Erfüllung im Tod. Vorspiel und Liebestod bilden den Beginn und das Ende der Oper. Sie belegen Wagners meisterhaftes Kompositionstalent und sind ein herausragendes Beispiel der Romantik in der Musik.

 

Den vollkommenen Gegenpol hierzu bildet Leoš Janáčeks Sinfonietta, ein Werk voller Energie und Zukunftsoptimismus aus den ersten Jahren der unabhängigen Tschechoslowakei. Das Werk steht in einer engen Verbindung zum Turnverein Sokol. Zu Beginn des Jahres 1926 war die Redaktion der Tageszeitung Lidové noviny an den Komponisten herangetreten, ob er nicht für das in Vorbereitung befindliche Landesturnfest des Sokol in Prag „ein paar Noten“ zur Begrüßung schreiben könnte. Janáček entschied sich für eine Fanfare. Er begann im März 1926 die Arbeit an dem Stück, das sich schließlich zu einem kompletten symphonischen Werk auswuchs, welches er wegen der Teilnahme einer Militärkapelle als Militär-Sinfonietta bezeichnete. Diese wurde den Veranstaltern des Turnfestes angeboten und anschließend in ein Konzertprogramm der Tschechischen Philharmonie aufgenommen, das dem Sokol-Nachwuchs gewidmet war. Erstmals erklang das neue Stück des Komponisten am 26. Juni 1926 im Rahmen eines Konzerts, das auch im Rundfunk übertragen wurde. Neben den Musikern der Tschechischen Philharmonie waren auch Mitglieder der Prager Garnisonskapelle beteiligt, und das Konzert wurde zu einem großen Erfolg. Die erste gedruckte Ausgabe von Janáčeks berühmtem Werk erschien 1927 bei der Universal Edition bereits unter dem vereinfachten Titel Sinfonietta, wie wir ihn bis heute kennen. Die Sinfonietta zählt zweifellos zu den herausragendsten symphonischen Werken des 20. Jahrhunderts.

Jiří Zahrádka

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