16. 11. 2022, 19 Uhr

Aufführungsort: Theater Reduta 

Violine: Josef Špaček 

Klavier: Miroslav Sekera

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Leoš Janáček: Sonate für Violine und Klavier, JW VII/7

Igor Strawinsky: Divertimento für Violine und Klavier

Leoš Janáček: 1. X. 1905 (Auf der Straße), JW VIII/19

Sergej Prokofjew: Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 D-Dur, op. 94a

 

Janáčeks Sonate für Violine und Klavier entstand in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu seinem Märchen. Der Komponist arbeitete an dem Stück in den Jahren 1914–15 unter dem Eindruck der damaligen politischen Lage, wie er sich später erinnerte: Die Violinsonate schrieb ich zu Beginn des Krieges, 1914, als wir schon die Russen in Mähren erwartet haben. Als erste und ursprünglich offenbar selbständige Komposition entstand die Ballade, erst 1915 folgten die weiteren Sätze. Im Jahr 1920 überarbeitete Janáček das Werk noch einmal. Der Erstaufführung fand am 24. April 1922 in Brno bei einem Abend des Klubs der jungen mährischen Komponisten statt, der musikalischen Neuheiten aus Mähren gewidmet war.

Im Jahr 1928 komponierte Strawinsky das Ballett Der Kuss der Fee nach einem Märchen von Hans Christian Andersen. Das Ballett war dem Gedenken an Pjotr Iljitsch Tschaikowsky anlässlich seines 35. Todestags gewidmet. Strawinsky komponierte dieses bemerkenswerte einaktige Ballett auf der Grundlage von Melodien aus einigen frühen Klavierwerken und Liedern Tschaikowskys. Wenig später folgte, wie bei Strawinsky üblich, auch eine Orchestersuite, und im Jahr 1932 verfassten Samuel Duschkin und der Komponist gemeinsam eine Version für Violine und Klavier mit dem Titel Divertimento, die 1947 eine letzte Erweiterung erfuhr. 

Janáčeks Klavierkomposition 1. X. 1905 (Auf der Straße) entstand spontan als Reaktion auf eine Tragödie, die sich während der Demonstrationen für eine tschechische Universität in Brno ereignet hatte. Da die Stadt damals überwiegend deutsch war, befürchteten die deutschen Stadtvertreter einen größeren Einfluss des tschechischen Bevölkerungsteils und erklärten den 1. Oktober 1905 zum sog. Volkstag, an dem deutsche Vereine und Organisationen aus dem gesamten Umland in die Stadt eingeladen wurden, um ihre Missbilligung der Gründung einer tschechischen Universität in Brno zu demonstrieren. Als Reaktion darauf organisierten auch die tschechischen Einwohner eine große antideutsche Demonstration. Zwischen den beiden Lagern spielten sich Straßenkämpfe ab, gegen welche die Gendarmerie und schließlich auch die Armee einschritt. Bei einem der Einsätze wurde beim Gemeinschaftshaus der junge tschechische Arbeiter František Pavlík getötet. Unter dem Eindruck dieses tragischen Ereignisses schrieb Janáček sein ursprünglich dreisätziges Stück Auf der Straße 1. X. 1905. Unmittelbar vor der Brünner Premiere am 27. Januar 1906 verbrannte Janáček jedoch den letzen Satz, und nach einer weiteren Aufführung in Prag warf er sogar das ganze Manuskript in die Moldau. Glücklicherweise hatte die erste Interpretin des Stückes, die Pianistin Ludmila Tučková, ihre ursprüngliche Abschrift behalten, was sie erst 1924 bekanntgab. So ist dieses für viele Jahre vergessene Klavierwerk der Nachwelt erhalten geblieben.

Im Jahr 1943 flüchtete Sergej Prokofjew aus dem vom Krieg gebeutelten Westen der Sowjetunion ins kasachische Alma-Ata, wo er intensiv an der umfangreichen und anspruchsvollen Partitur zu Eisensteins Film Iwan der Schreckliche arbeitete. Während dieser angestrengten Arbeit spürte der Komponist das Bedürfnis, etwas ganz anderes als die Filmmusik zu komponieren. So entstand ein Werk, das er selbst als Sonate im feinen, flüssigen klassischen Stil bezeichnete. Dieses Werk ist die Sonate für Flöte und Klavier D-Dur, op. 94, welche er auf Drängen des Violinisten David Oistrach bald für Violine und Klavier umschrieb. Seine Uraufführung hatte das Werk am 17. Juni 1944 in der Interpretation von David Oistrach und Lew Oborin.

Jiří Zahrádka

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