12. 11. 2022, 19 Uhr

Mahen-Theater 

Klavier: Julius Drake

Solisten: Nicky Spence, Václava Krejčí Housková

Chor: Romana Kružíková, Kristína Kubová, Ivana Petrů

 

 

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Leoš Janáček: Tagebuch eines Verschollenen, JW V/12

Huw Thomas Watkins: Volkslieder (Auswahl)

Leoš Janáček: Mährische Volkspoesie in Liedern (Auswahl), JW V/2

Nicky Spence zählt zu den weltweit anerkannten Operntenören. Intensiv widmet er sich auch Konzertwerken, in denen auch das Liedrepertoire eine wichtige Rolle spielt.

In der Zeit der ersten Aufführung von Jenůfa am Prager Nationaltheater im Mai 1916 erschien in der Tageszeitung Lidové noviny in Fortsetzungen ein anonymer Gedichtzyklus mit dem Titel Aus der Feder eines Autodidakten, der die Liebe eines jungen Burschen zu einem Zigeunermädchen schilderte. Für dieses Mädchen verließ er seine Eltern, um für die Liebe und Freiheit sein bis dahin ruhiges und geordnetes Leben zu opfern. Janáček war von dieser Geschichte fasziniert und schnitt sich den Text aus der Zeitung aus. Seinen Liedzyklus Tagebuch eines Verschollenen nach dieser Vorlage begann er im August 1917 zu komponieren, nachdem er kurz zuvor in Luhačovice seine spätere Freundin und Muse Kamila Stösslová kennengelernt hatte. Er unterbrach seine Arbeit an dem Stück jedoch, um sie im folgenden Jahr – wiederum ohne größeren Erfolg – fortzusetzen. Mit neuem Eifer widmete er sich seinem Werk erst im Jahr 1919, als er die Komposition vollendete und abschreiben ließ. Doch war er mit dem Tagebuch eines Verschollenen noch immer nicht zufrieden. Der Grund dafür war, dass ihm die Vorstellung fehlte, wie der Zyklus interpretiert werden sollte. So legte er ihn wiederum beiseite. Erst zu Beginn des Jahres 1921 wandte er sich dem Stück erneut zu, als ihm der Pianist und Dirigent Břetislav Bakala und der Tenor Jaroslav Lecian einen Teil des Zyklus vortrugen. Janáček unterzog die Komposition anschließend einer Überarbeitung, bevor er der öffentlichen Aufführung zustimmte, die am 18. April 1923 im Saal der Reduta in Brno erfolgte. Heute zählt das Tagebuch eines Verschollenen zu den interessanten Liedzyklen des 20. Jahrhunderts. 

Huw Thomas Watkins (1976) ist ein britischer Komponist und Pianist. Klavier und Komposition lernte er an der Chetham’s School of Music in Manchester, wo er im Fach Klavier ein Schüler von Peter Lawson war. Anschließend wechselte er ans King’s College in Cambridge, wo er bei Robin Holloway und Alexander Goehr Komposition studierte. Huw Watkins qualifizierte sich für die Constant & Kit Lambert Junior Fellowship am Royal College of Music, wo er anschließend Komposition unterrichtete. Derzeit ist er Honorary Research Fellow an der Royal Academy of Music. Er ist ein überaus angesehener Komponist, der sich neben vielen anderen Gebieten auch Vokalwerken widmet. 

 

Die Mährische Volkspoesie in Liedern von Leoš Janáček (1854–1928) stellt mit 53 Liedern den umfangreichsten Zyklus des Komponisten dar. Er arbeitete daran über neun Jahre hinweg von 1892 bis 1901, also gerade in dem Zeitraum, in dem auch seine Oper Jenůfa entstand.  Janáček befasste sich seit etwa 1888 intensiv mit der volkstümlichen Musik und dem Sammeln von Volksliedern, wobei diese Tätigkeit ihren Höhepunkt in den Neunzigerjahren erreichte, als dieses Interesse auch in einer engen Verbindung zu seiner Kompositionstätigkeit stand. Dem Volkslied ist er jedoch sein Leben lang treu geblieben. Auch mit Adaptionen volkstümlicher Lieder für Gesangsstimme und Klavierbegleitung beschäftigte er sich über viele Jahre. In gewissem Maße experimentierte er mit ihnen, weshalb Lieder eine ganz besondere Stellung in Janáčeks Schaffen einnehmen. Im Jahr 1892 publizierte der Verleger Šolc die zweite Ausgabe der Liedersammlung Ein Strauß mährischer Volkslieder, „gebunden“ von František Bartoš und Lev Janáček. Bei dieser Gelegenheit bat er Janáček, ob dieser nicht zu den Liedern auch eine Klavierbegleitung hinzufügen könnte. Janáček kam dieser Bitte bei fünfzehn Volkliedern nach, die Šolc 1893 in einem ersten Heft herausbrachte. Ein zweites Heft mit den übrigen 38 Liedern erschien erst im Jahr 1902. Gemeinsam wurden alle Lieder erst 1908 unter dem Titel Mährische Volkspoesie in Liedern veröffentlicht.

Jiří Zahrádka