Welsh National Opera

Dirigent Tomáš Hanus

Regie David Pountney


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  • Obsah opery

    1.Akt
    Die Tage im Straflager am Irtysch im russischen Zarenreich sind einer wie der andere, alle unerträglich und endlos lang. Die Häftlinge erwarten einen Neuzugang, es soll sich um einen hohen Herrn handeln. Die Wachen führen Alexander Petrowitsch Gorjantschikow herbei, der allein dafür, dass er sich als politischer Häftling bezeichnet, sofort ausgepeitscht wird. Die Häftlinge, die seine Schreie hören, versammeln sich um einen Käfig mit einem verletzten Adler: sie möchten wenigstens ihm die Freiheit schenken und entlassen ihn aus dem Käfig, doch der Adler ist nicht in der Lage, sich in die Lüfte zu schwingen. Die Rückkehr der Wachen zwingt die Häftlinge dazu, sich wieder ihrer Arbeit zu widmen, bei der sie Lieder singen und Geschichten erzählen. Beim Nähen von Bastschuhen beginnt Luka Kusmitsch von seinem Schicksal zu berichten – er hat sich beim Militärdienst gegen seine Vorgesetzten aufgelehnt und sogar seinen Major dafür umgebracht, dass er von ihm misshandelt worden war. Unterdessen bringt eine Wache den ausgepeitschten Gorjantschikow, der so geschwächt ist, dass er sich kaum auf den Beinen halten kann.

    2.Akt
    Ein Jahr ist vergangen. Mit Gorjantschikow hat sich der Tatarenjunge Aljeja angefreundet, der sich an seine Heimat erinnert. Im Lager herrscht eine relativ gute Stimmung, denn es ist ein Feiertag, so dass die Häftlinge sich von der Arbeit ausruhen können und besseres Essen und Getränke bekommen. Außerdem bereiten sie eine Theatervorstellung vor. Während der Vorbereitungen erzählt einer der Häftlinge, Skuratow, seine Geschichte: er hat einen Deutschen erschossen, der ihm sein Mädchen ausgespannt hatte. Inzwischen ist die provisorische Bühne errichtet, und das von den Häftlingen selbst aufgeführte Schauspiel über Kedril und Don Juan kann beginnen. Das Stück erheitert alle und lässt sie für einen Moment ihre Not vergessen. Doch nicht lange: ein stark betrunkener Häftling verletzt Aljeja schwer.

    3.Akt
    Aljeja wurde ins Lazarett gebracht. Einer der Kranken, Schapkin, erzählt, dass er nur wegen Landstreicherei verurteilt worden sei. Es wird dunkel, ein alter Häftling betet für seine Kinder. Im Lazarett ist auch der im Sterben liegende Luka Kusmitsch: er stöhnt und atmet schwer, ist jedoch bei Bewusstsein und lauscht der von Schischkow erzählten Geschichte. Dieser hatte Akulina, ein reiches Mädchen, gekannt, deren Ehre jedoch öffentlich ein gewisser Filka Morosow beschmutzt hatte. Daher gaben sie sie dem armen Schischkow zur Frau. In der Hochzeitsnacht stellte er fest, dass Akulina unschuldig war, doch als sich zeigte, dass sie trotz aller Verleumdungen Filka inbrünstig liebte, ermordete Schischkow sie aus Eifersucht. Bei den letzten Worten tut Luka seinen letzten Atemzug. Schischkow beugt sich zu ihm herab in erkennt in ihm auf einmal Filka Morosow. Die herbeigerufene Wache bringt den Leichnam fort und sucht außerdem nach Gorjantschikow. Dieser erfährt daraufhin vom Kommandanten, dass er entlassen ist. Er verabschiedet sich von den Häftlingen, vor allem von Aljeja, und verlässt das Lager. Gleichzeitig wird auch der Adler freigelassen, dessen Flügel inzwischen geheilt ist. Die Häftlinge bleiben zwischen den hohen Mauern zurück, wo ein Tag wie der andere ist, alle unerträglich und endlos lang.

Das vor einigen Jahrzehnten einsetzende intensive weltweite Interesse am Werk Leoš Janáčeks hatte seinen Ausgangspunkt in Großbritannien, und der Regisseur David Pountney gehört zweifellos zu den anerkanntesten Interpreten seiner Werke. Nachdem er für das Festival 2004 zusammen mit einem Brünner Ensemble Jenůfa einstudierte, präsentiert er nunmehr seine bereits klassische Inszenierung von Janáčeks letzter Oper Aus einem Totenhaus für die Welsh National Opera, deren künstlerischer Leiter er ist. Am Dirigentenpult des ausgezeichneten Orchesters dieses Opernhauses wird dessen musikalischer Leiter Tomáš Hanus stehen. Dir Aufführung kann vor allem dank ihrer musikalischen Seite als ganz besonderer Höhepunkt des Festivals gelten, da hier eine neue kritische Edition von Prof. John Tyrrell präsentiert wird, durch die das Werk so weit wie möglich jener Gestalt angenähert wird, die Janáček offenbar beabsichtigt hatte, ohne sie jedoch vollenden zu können.

„In jedem Geschöpf eine Funke Gottes“, schrieb Leoš Janáček im Juni 1928 in die Titelzeile der Partitur seiner neunten und letzten Oper Aus einem Totenhaus. Es nicht das erste Mal, dass ihm bei einer Komposition die russische Literatur als Inspirationsquelle diente; in diesem Fall war es Dostojewskis Roman Aufzeichnungen aus einem Totenhaus, der das schwere Leben in einem sibirischen Gefängnis schildert. Janáčeks Vorhaben, ein solches Sujet zu vertonen, überraschte wie schon zuvor seine Entscheidung für Čapeks Sache Makropulos. Ein umfangreicher Roman mit langatmigen Schilderungen von Stimmungen und Orten, psychologischen Analysen, philosophischen Erwägungen, monologischem Erzählstil und einem Minimum an Dialogen, ohne einen zentralen Helden und ohne weibliche Charaktere drängte sich beim besten Willen nicht als passende Vorlage für eine Oper auf. Auch Janáček konnte die Vorlage nur nutzen, indem er zahlreiche Änderungen vornahm und die Zahl der vorkommenden Personen reduzierte. Ein vollständig ausgearbeitetes Libretto ist nie gefunden worden, es hat sich lediglich ein stichwortartiger Entwurf erhalten. Janáček starb am 12. August 1928, ohne die Oper ganz vollendet zu haben. Als man sich beim Brünner Theater im Herbst 1929 zur Aufführung der Oper entschloss, übernahmen zwei Schüler Janáčeks, die Dirigenten Břetislav Bakala und Osvald Chlubna, die notwendigen Änderungen. Es handelte sich um die Fertigstellung der Instrumentierung, kleinere Änderungen bei den Gesangsparts sowie den Ersatz des Schlusses durch eine weniger pessimistisch klingende Version.

Patricie Částková