Nationaltheater Prag

Autor Leoš Janáček

Dirigent Jaroslav Kyzlink

Regie Sláva Daubnerová


Tickets

  • Obsah opery

    1. Der Ausflug des Herrn Brouček zum Mond
    1.Akt

    Vor dem Gasthaus Vikárka auf dem Prager Hradschin streitet sich der Maler Mazal mit seiner Geliebten Málinka, der Tochter des Küsters vom Veitsdom. Mazals Hausherr, Herr Brouček, hat sich diesen Abend etwas übernommen und torkelt nach Hause. Um Mazal zu ärgern, schäkert Málinka mit Brouček, der ihr in seiner Trunkenheit sogar einen Heiratsantrag macht. Der Küster hört diese Unterhaltung, doch Brouček wandelt sein Versprechen um in einen Scherz, indem er sagt, dass er Málinka höchstens auf dem Mond heiraten würde. Er schimpft auf die ganze Welt und schaut neidisch zum Vollmond hinauf – dort sind die Menschen sicher glücklicher, dort gibt es gewiss keine Maler, keine Bankrotte und keine Reichsräte. Volltrunken schläft er ein und träumt einen Traum vom Mond. Verwandlung Brouček erwacht auf dem Mond und betrachtet verblüfft die eigenartige Landschaft und auch die Mondbewohner, die an Broučeks Bekannte aus seiner Stammkneipe erinnern. Aus dem Maler Mazal ist auf dem Mond der ekstatische Dichter Hvězdomír Blankytný geworden, der sich ebenso wie die übrigen Mondbewohner keinesfalls zu seiner irdischen Existenz bekennen will. Blankytný liebt die ätherische Etherea (Málinka) und bricht fast zusammen, als sich Etherea auf den ersten Blick in Brouček verliebt und ihn trotz der Proteste ihres Vaters Lunobor (des Küsters) wie auch Blankytnýs auf ihrem Pferd Pegasus in den Tempel der Všeuměna entführt.

    2.Akt
    Das erste Wort im Tempel der Všeuměna hat der Mäzen Čaroskvoucí (Würfl), der hier Brouček unter Singen der Mondhymne zu einem Gastmahl einlädt. Lunobor hat unterdessen Etherea eingefangen und in einem Netz weggeschleppt. Beim Gastmahl wird zum Entsetzen Broučeks ausschließlich Blütenduft serviert, und der ausgehungerte Brouček ist völlig verzweifelt. Während des Vortrags des Oberdichters Oblačný schläft er vor Erschöpfung ein und träumt von Bier und Schweinebraten mit Kraut und Knödeln. Auch der Maler Duhoslav kann ihn mit seiner Kunst nicht begeistern, und als Brouček auch noch ein Würstchen aus seiner Tasche zieht, fallen die entsetzten Mondkünstler in Ohnmacht. Etherea gibt nicht auf und wirbt erneut um Brouček. Die Dichter erwachen aus ihrer Bewusstlosigkeit, der verärgerte Brouček stößt Etherea beiseite und macht sich die allgemeine Verwirrung zunutze, um auf Pegasus davonzufliegen. Verwandlung Unter dem Festgesang des Gastwirts Würfl verlässt die Gesellschaft der Künstler gegen Morgen sein Etablissement. Den erschöpften Herrn Brouček trägt man in einer Truhe bis nach Hause. Málinka und Mazal versöhnen sich und besingen ihre Liebe. Nachspiel Brouček erwacht mittags zu Hause in seinem Schlafzimmer, und noch ehe er von seinem Mondtraum zu sich kommt, treten Málinka und Mazal ein, um den Hausherrn zu bewegen, die gegen seinen Mieter Mazal ausgesprochene Kündigung zurückzunehmen. Brouček ist durch die Erscheinung Málinkas – Ethereas so erschrocken, dass er die entsprechende Erklärung ohne Protest unterschreibt. Schließlich ist Brouček schwer beschäftigt, seine verärgerte Haushälterin wieder zu besänftigen.

    2. Der Ausflug des Herrn Brouček ins fünfzehnte Jahrhundert
    1.Akt

    Gesprächsthema der Gesellschaft im Gasthaus Vikárka sind heute Abend die unterirdischen Gänge aus dem Mittelalter. Brouček macht sich auf den Heimweg und findet sich mit einemmal in einem unterirdischen Gewölbe wieder, von wo aus er durch einen Geheimgang bis in die königliche Schatzkammer in der Prager Altstadt gelangt. Sobald Brouček die Schatzkammer verlässt, erscheint Svatopluk Čech und singt eine Ode auf die ruhmreiche Vergangenheit der tschechischen Nation. Verwandlung Brouček kommt unweit des Altstädter Rings ans Tageslicht, doch wirkt alles anders als gewohnt. Die Menschen sind eigenartig gekleidet, sprechen ein sonderbares Tschechisch, und irgendjemand versucht Brouček zu überzeugen, dass man das Jahr 1420 schreibe. Brouček betrachtet alles zunächst als einen Scherz, doch begreift er den Ernst der Lage, als man ihn zum feindlichen Spitzel erklärt. Es wäre wohl um ihn geschehen gewesen, hätte sich seiner nicht der Vogt Domšík von der Glocke (der Küster) angenommen. Das bewaffnete Volk bereitet sich vor zum Kampf und betritt unter Gesängen zum Gebet die Teynkirche.

    2.Akt
    Bei Domšík stellt sich Brouček nur ungern auf die neue Situation ein – am liebsten wäre er heimlich verschwunden, doch er muss die Kluft der Hussiten anlegen. Domšíks Tochter Kunka (Málinka) führt die kampfbereiten Freunde herbei und erzählt vom Gottesdienst in der Teynkirche, wo auch der Heerführer Žižka anwesend war. Alle erörtern die militärische Lage und disputieren über den Sinn des Kampfs, die Wahrheit und die Religion. Brouček zeigt keinerlei Kampfgeist und bemerkt sogar, ihm sei das alles egal und er gehe nicht kämpfen, schließlich habe ihm König Sigismund nichts getan. Es entbrennt ein Streit, aber da kommt Petřík (Mazal) mit der Nachricht angelaufen, dass die Schlacht auf den Spitalfeldern bereits begonnen habe. Alle stürzen sich in den Kampf und stoßen dabei Brouček mit den Waffen in der Hand aus der Tür – dieser schleicht sich jedoch unbemerkt zurück und zieht rasch wieder seine ursprüngliche Kleidung an. Verwandlung Die siegreichen hussitischen Truppen treffen unter dem Jubel der Bevölkerung auf dem Altstädter Ring ein. Domšík hat in der Schlacht das Leben verloren. Brouček erzählt von seinem Heldenmut im Kampf, doch Domšíks Freunde haben ihn vor einem Kreuzritter knien sehen und bezichtigen ihn des Verrats. Brouček wird in ein hölzernes Fass gestopft und zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Verwandlung Im Hof des Gasthauses Vikárka beugt sich der Gastwirt Würfl mit einer brennenden Laterne in der Hand über das Fass, in dem Brouček gerade aus seinem Traum erwacht. Brouček stellt mit Erleichterung fest, dass er wieder zu Hause ist, vergisst jedoch nicht, sich gegenüber Würfl zu brüsten, wie er beherzt an Žižkas Seite gekämpft und ihm geholfen habe, Prag zu befreien.

Die Ausflüge des Herrn Brouček erlebten als einzige Oper Janáčeks ihre Uraufführung in Prag, und so wird auch auf dem Festival ein Prager Ensemble dieses Werk präsentieren. Die Inszenierung ist das Werk des musikalischen Leiters Jaroslav Kyzlink und der slowakischen Regisseurin Sláva Daubnerová, einer der interessantesten Persönlichkeiten der slowakischen Theaterszene. Vielbeachtet sind ihre Projekte, bei denen sie in einer Person als Autorin, Regisseurin, Performerin und oft auch als bildende Künstlerin fungiert und so eine ganz individuelle Bühnensprache kreiert.

Für seine fünfte Oper suchte der Komponist in den Jahren 1904–1907 nach einem komödienhaften Sujet und entschied sich schließlich für das humoristische Prosawerk Wahrer Ausflug des Herrn Brouček auf den Mond von Svatopluk Čech (1846-1908), welches 1888 erstmals erschienen war. Auch fast zwanzig Jahre, nachdem er das Licht der literarischen Welt erblickt hatte, war der dicke Hausbesitzer Matěj Brouček, der selbst nichts tut, aber in alles hineinredet und alles besser weiß, noch immer eine sehr populäre Figur, und die resultierende Oper bestätigte durch ihre Originalität die Richtigkeit von Janáčeks Wahl. Bevor jedoch das Werk zu einem glücklichen Ende gebracht werden konnte, warteten auf Janáček neun Jahre harter Arbeit, denn es erwies sich als unerwartet schwierig, einen geeigneten Librettisten zu finden. Schließlich arbeiteten am Libretto zum Ausflug des Herrn Brouček auf den Mond mit unterschiedlichem Erfolg nicht weniger als sieben Autoren mit. Die Probleme mit dem Libretto nahmen jedoch der Musik Janáčeks nichts von ihrem Zauber und ihrer Wirkung. Eine reiche Gesangslinie, eine meisterhafte Charakterisierung der Figuren, lebendige Szenen voller Dynamik, und dies alles im ersten Teil mit einem Walzertakt unterlegt, der den Eindruck eines nicht enden wollenden Tanzes entstehen lässt, sei es auf dem Mond oder im Prager Gasthaus Vikárka. Janáček vollendete den Ausflug des Herrn Brouček auf den Mond im Jahr 1917, aber noch bevor das Stück aufgeführt werden konnte, hatte sich die politische Situation vollkommen gewandelt, und Janáček beschloss, die auf die Prager Künstler- und Kritikerkreise abzielende Oper um eine nationale Perspektive zu erweitern, wozu Broučeks Abenteuer im 15. Jahrhundert perfekt geeignet war. Die Oper erhielt dadurch eine zweite Hälfte und eine weitere Themenlinie – zu der satirischen kam eine patriotische und tragikomische hinzu. In dieser Gestalt erlebte die Oper am 18. März 1920 im Prager Nationaltheater ihre Uraufführung.

Patricie Částková