Programm

Arnold Schönberg Streichquartett Nr. 2 für Sopran und Streichquartett

Béla Bartók Streichquartett Nr. 3

Leoš Janáček Streichquartett nach Tolstois „Kreutzer-Sonate“


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Das nachmittägliche Konzert in der kürzlich renovierten Villa Löw-Beer ist Komponisten gewidmet, die ihre Werke in den Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie und ihren Nachfolgerstaaten schufen. Das Programm dieses Konzerts belegt, welch unterschiedliche ebenso wie nah verwandte Kompositionsansätze in diesen Ländern gepflegt wurden und wie sie einander gegenseitig beeinflussten. Zu hören ist das ausgezeichnete Škampa Quartet.

Österreich wird hier durch das Streichquartett Nr. 2 fis-Moll für Sopran und Streichquartett von Arnold Schönberg (1874–1951) repräsentiert, einem Komponisten, der in vielerlei Hinsicht die Richtung der Musik im 20. Jahrhundert bestimmte. Sein Streichquartett Nr. 2 ist ein bemerkenswertes Werk aus dem Jahr 1907, das mit etlichen Neuerungen aufwarten kann – so etwa mit einem Sopranpart in den letzten zwei Sätzen, aber auch mit der Anwendung neuer, seinerzeit noch wenig bekannter harmonischer Beziehungen, die sich langsam, aber sicher von der traditionellen Tonalität entfernen. Wenngleich stellenweise noch in der Tonalität verankert, bietet das Stück bemerkenswerte Akkordfolgen wie „von anderen Planeten“, wie dies im Text des vertontes Gedichts Entrückung von Stefan George steht. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass dieses Streichquartett auch manche Brünner Komponisten beeinflusste – so schrieben nach seiner Aufführung im Jahr 1925 etwa Václav Kaprál oder Vilém Petrželka Streichquartette mit Sopransolo.

Für Ungarn steht Béla Bartók (1881–1945), der sieben Jahre nach Schönberg geboren wurde. In seinem kompositorischen Werk ging Bartók ähnlich wie Janáček vielfach von der Volksmusik aus, doch beschritt er bei der Modalität wie bei der Instrumentierung ganz neue Wege. Sein Streichquartett Nr. 3 entstand im September 1927 in Budapest, und obgleich es sich um Bartóks kürzestes Quartett handelt, ist es ein gewichtiges Werk, das auf die Zweite Wiener Schule verweist – kein Wunder, schrieb es der Komponist doch unter dem Eindruck von Alban Bergs Lyrischer Suite. In dem ohne Unterbrechung gespielten viersätzigen Stück kommen neue harmonische Verfahren ebenso zur Anwendung wie Anklänge an die ungarische Volksmusik. Ähnlich wie Janáček experimentiert Bartók hier auch mit verschiedenen Spieltechniken.

Leoš Janáček (1854–1928) war zwar eine Generation älter als Schönberg und Bartók, steht diesen Autoren jedoch in seinem Einfluss auf die Musik des 20. Jahrhunderts in nichts nach. Sein Streichquartett nach Tolstois „Kreutzersonate“ stammt aus dem Jahr 1923. Die Entstehungsgeschichte dieser Komposition reicht jedoch bis ins Jahr 1908 zurück, als Janáček ein heute nicht mehr erhaltenes Klaviertrio schrieb, bei dem er sich durch Tolstois Novelle inspirieren ließ. Vom musikalischen Material dieses Trios ging Janáček später bei der Komposition seines ersten Streichquartetts aus. Er widmete dieses Opus dem bekannten Böhmischen Quartett, welches es auch bei der Uraufführung am 17. Oktober 1924 interpretierte. Der damals bereits siebzigjährige Autor konnte mit diesem Werk große Erfolge verbuchen, so erklang es etwa 1925 beim Festival der Internationalen Gesellschaft für moderne Musik in Venedig.

Jiří Zahrádka