Mährisch-Schlesisches Nationaltheater

Dirigent Jakub Klecker

Regie Jiří Nekvasil


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  • Obsah opery

    1.Akt
    Auf der Kolonnade im Kurort Luhačovice
    Mittelpunkt der Aufmerksamkeit vieler Kurgäste sind Dr. Suda und seine Freunde Konečný, der Maler Lhotský und die junge Frau Míla. Es kommt ein neuer Gast, der Komponist Živný. Die Gesellschaft erfährt mit Verwunderung, dass Živný und Míla einander schon früher begegnet sind. Die Gesanglehrerin, Fräulein Stuhlá, kommt mit einer Gruppe junger Leute, die sich auf einen Ausflug mit Dr. Suda freuen. Die Gesellschaft bricht auf, nur Živný und Míla bleiben zurück. Ihre frühere Liebesbeziehung wurde von Mílas Mutter beendet, für die das Leben mit einem Komponisten einem Bettlerdasein gleichkommt. Živný hat von seinem unglücklichen Schicksal eine Oper komponiert. Erst jetzt erfährt er, dass er Míla fälschlicherweise der Untreue verdächtigte; ihr Sohn Doubek ist tatsächlich sein Kind. Das Liebespaar beschließt, der Mutter zum Trotz zusammenzuleben.

    2.Akt
    In der Wohnung des Ehepaars
    Živný singt Fragmente aus seiner Oper vor. Die Partien, in welchen er Míla verleumdet hat, muss er nun streichen. Der kleine Doubek fragt seine Mutter, ob sie wisse, was Liebe sei. Míla weiß es nur zu gut: die Liebe und ihr ganzes Leben sei Schicksal – Fatum. Das gemeinsame Leben mit der Mutter wird zur Qual. Die Mutter verfällt immer stärker dem Wahnsinn; sie muss unter einem Dach mit dem Mann wohnen, der ihrer Meinung nach nur hinter ihrem Geld her ist. Živný erscheint der Mutter als böser Rabe. Sie will vor ihm davonfliegen, stürzt dabei vom Balkon und reißt dabei auch Míla mit. Živný ist verzweifelt über den Tod seiner Ehefrau. Er ruft die Blitze herbei, auf dass sie noch mehr in sein unglückliches Schicksal einschlagen mögen.

    3.Akt
    In der Aula des Konservatoriums
    Studenten singen aus der Partitur der neuen Oper ihres Professors Živný. Das Werk soll am Abend im Theater aufgeführt werden, aber es fehlt noch immer der letzte Akt. Die Schüler bitten den Lehrer, von seiner merkwürdigen Oper zu erzählen. Živný spricht über ihre Entstehung, und die überraschten Studenten erkennen, dass der Operninhalt eigentlich dessen Lebensgeschichte widerspiegelt. Živnýs Erzählung nähert sich Mílas Tod… plötzlich brechen Blitze eines wirklichen Gewitters über sie herein. Živný sinkt ohnmächtig zu Boden. Das Ende seiner Oper bleibt unvollendet in Gottes Hand, ebenso wie Živnýs Schicksal selbst.

Das Mährisch-Schlesische Nationaltheater gehört zu den regelmäßigen Gästen des Festivals Janáček Brno, denn schließlich kommt es ja aus eben jener Region, welcher Janáček entstammte. Diesmal wird die Bühne unter der Regie ihres Direktors Jiří Nekvasil und in der Einstudierung ihres musikalischen Leiters Jakub Klecker eine vollkommen neue Inszenierung der nur selten gespielten Oper Schicksal präsentieren.

Janáčeks vierte Oper mit dem Titel Schicksal entstand in einer für den Komponisten schweren Zeit. Im Februar 1903 war seine geliebte Tochter Olga gestorben, einen Monat darauf vollendete er nach nahezu zehn Jahren seine Oper Jenůfa, deren Aufführung jedoch das Prager Nationaltheater umgehend ablehnte. Im August 1903 fuhr Janáček nach Luhačovice, wo er die reizende achtundzwanzigjährige Kamila Urválková kennen lernte – einst die Geliebte des Komponisten und Dirigenten Ludvík Čelanský und nunmehr mit einem Forstverwalter aus Zahájí verheiratet. Kamila erzählte Janáček von ihrer Liebesbeziehung zu Čelanský, nach deren unglücklichem Ende Čelanský in seiner Enttäuschung die Oper Kamila geschrieben hatte, deren Titelfigur er als unreife und unbeständige Persönlichkeit schilderte. Janáček beschloss, ihrem Zauber verfallen, eine „ganz neue, moderne Oper“ zu schreiben, mit der er Kamilas guten Ruf wiederherstellen wollte. Nach der Heimkehr aus Luhačovice suchte er verzweifelt nach einem geeigneten Librettisten, der in der Lage wäre, seine Vorstellungen zu verarbeiten. Schließlich konnte er für diese Aufgabe die junge Lehrerin Fedora Bartošová gewinnen, eine Freundin seiner verstorbenen Tochter Olga. Das genaue Szenario der Oper schrieb Janáček selbst, vom Sujet wie vom Schauplatz her handelte es sich um ein ganz anderes Werk als seine vorangegangenen Opern. Die ersten Töne eines orchestralen Walzers entführen das Publikum in die gehobene Gesellschaft eines Kurbads, für deren Sprache Janáček die Librettistin um Verse im Stile dekadenter Poeten bat. Die Handlung tritt schrittweise durch den Dialog der Hauptfigur Míla und des Komponisten Živný zutage, und wie in seinen anderen Opern schöpft Janáček auch hier geschickt aus seinen Aufzeichnungen der Volkssprache. Trotz der unstrittigen musikalischen Qualitäten der Oper erlebte Janáček ihre Uraufführung nicht mehr. Nachdem das Stück ursprünglich in Brünn aufgeführt werden sollte, entschied sich Janáček für das Prager Theater in den Weinbergen, wo jedoch die Premiere trotz zahlreicher Versprechungen immer wieder aufgeschoben wurde und schließlich überhaupt nicht stattfand. Erst im Jahr 1934 bereitete Janáčeks Schüler Břetislav Bakala eine Fassung für den Rundfunk und 1954 auch eine Konzertaufführung vor. Als Oper wurde Schicksal erstmals am 25. Oktober 1958 unter der Regie von Václav Nosek in Brno aufgeführt.

Patricie Částková