Mährisch-Schlesisches Nationaltheater

Dirigent Jakub Klecker

Regie Jiří Nekvasil


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Das Mährisch-Schlesische Nationaltheater gehört zu den regelmäßigen Gästen des Festivals Janáček Brno, denn schließlich kommt es ja aus eben jener Region, welcher Janáček entstammte. Diesmal wird die Bühne unter der Regie ihres Direktors Jiří Nekvasil und in der Einstudierung ihres musikalischen Leiters Jakub Klecker eine vollkommen neue Inszenierung der nur selten gespielten Oper Schicksal präsentieren.

Janáčeks vierte Oper mit dem Titel Schicksal entstand in einer für den Komponisten schweren Zeit. Im Februar 1903 war seine geliebte Tochter Olga gestorben, einen Monat darauf vollendete er nach nahezu zehn Jahren seine Oper Jenůfa, deren Aufführung jedoch das Prager Nationaltheater umgehend ablehnte. Im August 1903 fuhr Janáček nach Luhačovice, wo er die reizende achtundzwanzigjährige Kamila Urválková kennen lernte – einst die Geliebte des Komponisten und Dirigenten Ludvík Čelanský und nunmehr mit einem Forstverwalter aus Zahájí verheiratet. Kamila erzählte Janáček von ihrer Liebesbeziehung zu Čelanský, nach deren unglücklichem Ende Čelanský in seiner Enttäuschung die Oper Kamila geschrieben hatte, deren Titelfigur er als unreife und unbeständige Persönlichkeit schilderte. Janáček beschloss, ihrem Zauber verfallen, eine „ganz neue, moderne Oper“ zu schreiben, mit der er Kamilas guten Ruf wiederherstellen wollte. Nach der Heimkehr aus Luhačovice suchte er verzweifelt nach einem geeigneten Librettisten, der in der Lage wäre, seine Vorstellungen zu verarbeiten. Schließlich konnte er für diese Aufgabe die junge Lehrerin Fedora Bartošová gewinnen, eine Freundin seiner verstorbenen Tochter Olga. Das genaue Szenario der Oper schrieb Janáček selbst, vom Sujet wie vom Schauplatz her handelte es sich um ein ganz anderes Werk als seine vorangegangenen Opern. Die ersten Töne eines orchestralen Walzers entführen das Publikum in die gehobene Gesellschaft eines Kurbads, für deren Sprache Janáček die Librettistin um Verse im Stile dekadenter Poeten bat. Die Handlung tritt schrittweise durch den Dialog der Hauptfigur Míla und des Komponisten Živný zutage, und wie in seinen anderen Opern schöpft Janáček auch hier geschickt aus seinen Aufzeichnungen der Volkssprache. Trotz der unstrittigen musikalischen Qualitäten der Oper erlebte Janáček ihre Uraufführung nicht mehr. Nachdem das Stück ursprünglich in Brünn aufgeführt werden sollte, entschied sich Janáček für das Prager Theater in den Weinbergen, wo jedoch die Premiere trotz zahlreicher Versprechungen immer wieder aufgeschoben wurde und schließlich überhaupt nicht stattfand. Erst im Jahr 1934 bereitete Janáčeks Schüler Břetislav Bakala eine Fassung für den Rundfunk und 1954 auch eine Konzertaufführung vor. Als Oper wurde Schicksal erstmals am 25. Oktober 1958 unter der Regie von Václav Nosek in Brno aufgeführt.

Patricie Částková