Premiere 3. 10. 2020, 19.00 Uhr

Janáček-Theater

Autor: Leoš Janáček
Dirigent: Robert Kružík
Regie: Claus Guth
Küsterin: Karita Mattila

Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno in Zusammenarbeit mit der Royal Opera, Covent Garden, London

1. AKT

Die anmutige Jenůfa befürchtet, dass ihr Liebhaber Števa zum Militär eingezogen wird. Sie erwartet ein Kind von ihm, und die Rekrutierung würde die vorzubereitende Hochzeit vereiteln. Auch Števas Halbbruder Laca wirbt um Jenůfa und neckt sie wegen Števa. Der angetrunkene Števa kommt mit seinen Freunden und mit Musikanten in die Mühle – er hat mit anderen Rekruten die Nichteinberufung gefeiert, wobei viel getrunken worden ist. Jenůfas strenge Pflegemutter Kostelnička (dt. Küsterin) sieht die frohe Gesellschaft mit Števa. Vor allen Anwesenden erklärt sie, dass sie die Hochzeit zwischen Jenůfa und Števa erst nach einer einjährigen Prüfung billigen wird, während der sich Števa nicht betrinken darf. Laca versucht Jenůfa zu überzeugen, dass Števa sie nur wegen ihrer Schönheit liebt, und im Streit verletzt er sie mit seinem Messer im Gesicht.

2. AKT

Kostelnička versteckt Jenůfa zu Hause, um der Schande zu entgehen, und behauptet, dass das Mädchen in Wien arbeite. Jenůfa hat mittlerweile einen Sohn zur Welt gebracht. Während Jenůfa schläft, erniedrigt sich Kostelnička vor Števa und bittet ihn, Jenůfa zu heiraten. Dieser sagt aber, dass ihm Jenůfa mit ihrem zerschnittenen Ge¬sicht nicht mehr gefalle und er außerdem bereits mit der Tochter des Dorfrichters verlobt sei. Dann erscheint Laca und bittet Kostelnička, ihm Jenůfa zur Ehe zu geben. Als ihm aber Kostelnička gesteht, dass Jenůfa Števas Kind geboren hat, ist er bestürzt. Sein Schwanken erkennend, lügt die verzweifelte Kostelnička, dass das Kind gleich nach der Geburt gestorben sei. Sobald Laca fort ist, ertränkt Kostelnička das Kind in einem eisigen Fluss und redet Jenůfa ein, dass sie zwei Tage im Fieber geschlafen habe und der Junge inzwischen gestorben sei. Die gequälte Jenůfa willigt in die Heirat mit Laca ein.

3. AKT

Während der Vorbereitungen zur Trauung von Jenůfa und Laca kommt die Nachricht, dass man im Fluss eine Kindesleiche gefunden habe. Jenůfa erkennt die Mütze ihres Söhnchens und wird des Mordes verdächtigt. Kostelnička gesteht vor allen ihre Tat. Ehe sie vom Dorfrichter weggeführt wird, vergibt Jenůfa ihr, weil sie versteht, dass ihre Stiefmutter es nur aus Liebe zu ihr getan hat. Jenůfa glaubt nicht, dass Laca sie noch zur Frau möchte, und schickt ihn weg. Laca verspricht ihr aber, auch in schlechten Zeiten an ihrer Seite zu stehen. Jenůfa begreift, dass sie in ihm ihre wahre Liebe gefunden hat, „mit welcher der Herrgott zufrieden ist“.

Dirigent: Robert Kružík

Regie: Claus Guth

Bühnenbild: Michael Levine

Kostüme: Gesine Völlm

Projektionen: Roland Horvath & Carmen Zimmerman (‘rocafilm’)

Choreografie: Teresa Rotemberg

Asistent regie: Axel Weidauer

 

BESETZUNG:

Laca Klemeň: Jaroslav Březina

Števa Buryja: Richard Samek

Die Küsterin Buryjovka: Karita Mattila

Jenůfa: Jana Šrejma Kačírková

Jenůfa gehört zu den berühmtesten Werken Janáčeks und markierte einen grundlegenden Umbruch in seinem Schaffen. Im Repertoire des Brünner Opernensembles findet sich das Stück seit 1904 fast ohne Unterbrechung, im Rahmen des Festivals wird hier jedoch ausnahmsweise eine herausragende Inszenierung der Royal Opera in Covent Garden unter der Regie von Claus Guth zu erleben sein. Namhafte tschechische Solisten und die Sopranistin Karita Mattila werden begleitet vom Orchester und vom Chor der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno.  Ins Royal Opera House wird Jenůfa im März 2020 nach beinahe zwanzig Jahren im Rahmen eines Zyklus von Janáček-Inszenierungen zurückkehren, der vor drei Jahren seinen Auftakt erlebte. Claus Guth, dessen Karriere als Opernregisseur 1998 bei den Salzburger Festspielen begann, arbeitet heute mit den Bayreuther Festspielen, der Mailänder Scala, der Deutschen Oper Berlin, dem Teatro Real in Madrid und weiteren führenden Opernbühnen zusammen. Wenngleich der gefragte Regisseur auch schon Barockopern oder die klassischen Titel des 19. Jahrhunderts auf die Bühne gebracht hat, gilt seine Aufmerksamkeit vor allem den Opern des 20. Jahrhunderts und den Autoren der Gegenwart.

 

An der Wiege der Oper Jenůfa stand ein realistisches Drama von Gabriela Preissová (1862–1946), welches der Komponist selbst zum Opernlibretto umarbeitete. Obgleich er den Text des Schauspiels deutlich kürzen musste, gelang es ihm, eine noch tiefere Wirkung der tragischen Geschichte aus der mährischen Provinz zu erzielen. Der verschwenderische und unbeständige Števa, der ungestüme und doch in seinem Herzen liebevolle Laca und vor allem die unerbittliche Küsterin, welche in der Bemühung, sich ihre Stellung und den Respekt der Dorfgemeinschaft zu erhalten, auch vor der Tötung des Kindes ihrer Ziehtochter Jenůfa nicht zurückschreckt – Janáček beschreibt die einzelnen Charaktere in meisterhafter dramatischer Verkürzung, die den Zuschauer frösteln lässt, doch gleichzeitig Mitgefühl und Verständnis weckt. Die Arbeit an Jenůfabeanspruchte Janáček für fast neun Jahre. Den ersten Akt der Oper vollendete er im Jahr 1897, der zweite und der dritte entstanden unter für Janáčeks Familie höchst tragischen Umständen. Im Jahr 1902 war Janáčeks Tochter Olga während eines Besuchs bei seinem Bruder in Sankt Petersburg schwer erkrankt. Janáček vollendete den zweiten Akt der Oper nach Olgas Rückkehr und den dritten unmittelbar vor ihrem Tod im Februar 1903. Die Oper Jenůfa widmete er dem Andenken seiner Tochter. Mit der Uraufführung wollte Janáček das Prager Nationaltheater betrauen, wo sein Ansinnen jedoch mit der Begründung abgelehnt wurde, das Stück sei für die Aufführung auf der namhaftesten tschechischen Opernbühne nicht geeignet. Die Premiere fand daher am 21. Januar 1904 in Brünn statt, wo das Werk unerwarteten Erfolg hatte. Erst 1915 gelang es, auch die Leitung des Prager Theaters und seinen Dirigenten Karel Kovařovic von dem Stück zu überzeugen. Nach der überaus erfolgreichen Prager Premiere im Jahr 1916 folgte eine Aufführung in Wien, und Janáček fand als Komponist endlich die gebührende Anerkennung im In- und Ausland.

Autor: Patricie Částková