11. 10. 2020, 15.00 Uhr

Vila Tugendhat

Tomáš Král Bariton
Matan Porat Klavier

Claude Debussy (1862-1918): Trois chansons de France (L 115) für Singstimme und Klavier

Claude Debussy: Ballade slave (L 70) für Klavier

Gustav Mahler (1860-1911): Kindertotenlieder für Singstimme und Klavier

Leoš Janáček (1854-1928): Mährische Volkspoesie in Liedern (JW V/2) für Singstimme und Klavier

Leoš Janáček: 1. X. 1905 (Von der Straße) (JW VIII/19)

In seinem Rezital präsentiert der herausragende Sänger Tomáš Král das Liedschaffen dreier Autoren, die innerhalb einer Zeitspanne von weniger als zehn Jahren geboren wurden und später zu den respektiertesten Musikschöpfern zählten, welche die Türen für die Musik des ungestümen 20. Jahrhunderts öffneten. Auch die in diesem Konzert vorgestellten Lieder entstanden in enger zeitlicher Nachbarschaft zwischen 1892 und 1904 – und doch scheinen Welten zwischen ihnen zu liegen

Die Trois chansons de France von Claude Debussy (1862–1918) entstanden im Jahr 1904, und ihr Autor widmete sie der Sängerin Emma Bardac. Zwei der drei Lieder sind Rondels nach Versen von Charles d´Orléans aus dem 15. Jahrhundert, das dritte basiert auf einem Gedicht von Tristan L´Hermite aus dem 17. Jahrhundert.

Gustav Mahler (1860–1911) schrieb seine Kindertotenlieder in den Jahren 1901 und 1904. Er schöpfte aus der Sammlung Friedrich Rückerts aus den Jahren 1833–34, wählte jedoch aus den 428 Gedichten lediglich fünf für seinen Zyklus aus. Die Lieder waren ursprünglich für Altstimme und Orchesterbegleitung geschrieben. Die Melodik dieser Lieder, in deren Texten Rückert auf den Tod seiner zwei Kinder reagiert, hinterlässt durch ihre ungewohnte Natürlichkeit (die sich der eines Volksliedes nähert) einen ungemein starken Eindruck. Der Zyklus gehört zu den Höhepunkten in Mahlers Liedschaffen.

Die Mährische Volkspoesie in Liedern stellt mit 53 Liedern den umfangreichsten Liedzyklus Leoš Janáčeks (1854–1928) dar. Der Komponist arbeitete an diesem Zyklus in den Jahren 1892–1901, also in jener Epoche, in der auch seine Oper Jenůfa Gestalt annahm. Janáček widmete sich ab etwa 1888 intensiv der Volksmusik und dem Sammeln von Volksliedern, wobei diese Tätigkeit gerade in den Neunzigerjahren ihren Höhepunkt erreichte, als sie auch einen sehr großen Einfluss auf Janáčeks Kompositionstätigkeit gewann. Dem Volkslied blieb er jedoch sein Leben lang treu. Auch Adaptionen von Volksliedern für Singstimme und Klavierbegleitung widmete er sich etliche Jahre. In gewisser Weise dienten sie ihm als Experimentierfeld, weshalb diese Lieder einen ganz besonderen Platz im Werk des Komponisten einnehmen. Im Jahr 1892 gab der Verleger Šolc die zweite Auflage der Sammlung Ein Strauß mährischer Volkslieder heraus, „gebunden von František Bartoš und Lev Janáček“. Bei dieser Gelegenheit fragte der Verleger bei Janáček an, ob dieser nicht zu den Liedern noch eine Klavierbegleitung hinzufügen könnte. Janáček entsprach diesem Wunsch bei fünfzehn Liedern, die Šolc 1893 im ersten Heft herausgab. Das zweite Heft erschien erst 1902, als der Verleger die restlichen 38 Lieder veröffentlichte. Alle zusammen erschienen sie erst 1908 unter dem Titel Mährische Volkspoesie in Liedern. Lediglich vier der Lieder erklangen 1904 in Brno. Der komplette Zyklus wurde zu Janáčeks Lebzeiten offenbar nie aufgeführt.

Im Rahmen des Konzertes werden auch zwei Klavierstücke zu hören sein: die Ballade slave von Claude Debussy aus dem Jahr 1890 sowie das Werk 1. X. 1905 (Von der Straße) von Leoš Janáček aus dem Jahr 1905.

Autor: Jiří Zahrádka