Programm

Bedřich Smetana Macbeth und die Hexen, Drei poetische Polkas op. 8, Melodienschatz, Konzertetüde C-Dur, Sonate g-Moll

Jitka Čechová Klavier


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Das vormittägliche Klavierrezital ist Bedřich Smetana (1824–1884), dem Begründer eines nationalen tschechischen Musikstils, gewidmet. Wenngleich sich Smetana vor allem in den Anfängen seiner kompositorischen Laufbahn intensiv mit diesem Instrument befasste, nehmen Klavierstücke dennoch in seinem Gesamtwerk eine herausragende Stellung ein. Smetanas Klavierwerke gehören zweifellos zum Besten, was die tschechische Musikszene des 19. Jahrhunderts der Welt hinterlassen hat. Das Konzert wird von der anerkannten Smetana-Interpretin Jitka Čechová bestritten, die auf mehreren CDs bereits das gesamte Klavierwerk des Komponisten eingespielt hat.

Die meisten der auf dem Programm stehenden Werke schuf Smetana in den Fünfzigerjahren des 19. Jahrhunderts, jüngste Komposition ist dabei Macbeth und die Hexen aus dem Jahr 1859. Obgleich im Grunde nur eine Skizze, bei der nicht klar ist, ob sie nicht eher als Grundlage für ein Orchesterwerk gedacht war, handelt es sich hier um eines der effektvollsten Klavierwerke Smetanas. Das Stück ist durch die Anfangsszene des 4. Akts der Shakespeareschen Tragödie inspiriert, der dramatische Auftritt der Hexen wird von Smetana auf kleiner Fläche und mit ungekannter Invention geschildert. Die Skizze enthielt mehrere unvollendete Stellen, die in der Vergangenheit von verschiedenen Interpreten (wie etwa Václav Štěpán) ergänzt wurden, und obgleich Smetana diese Komposition offenbar nicht für Klavier intendiert hatte, handelt es sich heute um eines seiner meistgespielten Klavierwerke.

Die Drei poetischen Polkas op. 8 entstanden 1844/45 in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den Salonpolkas. Smetana war gut mit Chopins Bearbeitungen von Polonaisen und Mazurkas vertraut und ließ sich von ihnen zu seinen tschechischen Polkas inspirieren. So entstanden herausragende Kompositionen, deren Stilisierung ebenso bemerkenswert ist wie bei Chopin oder Liszt. Die Drei poetischen Polkas verbreiten eine Atmosphäre der Freude und des Lebensglücks.

Der Melodienschatz aus dem Jahr 1850 war ursprünglich als Lehrkomposition bestimmt, die Smetana im Rahmen seiner pädagogischen Tätigkeit verfasste. Heute ist dieses Opus dennoch weit eher als reizvolles kleines Konzertstück bekannt.

Zu seiner Konzertetüde C-Dur inspirierten Smetana die Eindrücke von einem Konzert der Pianistin Ingeborg Starck. Smetana komponierte die Etüde im Jahr 1858, wobei sich bis heute zwei Fassungen erhalten haben. Das interpretatorisch sehr anspruchsvolle Stück zählt zu den Meisterwerken seines Genres in der tschechischen Klavierliteratur.

Die Sonate g-Moll ist ein Frühwerk Smetanas aus dem Jahr 1846, als er in Prag bei Joseph Proksch Komposition studierte und gleichzeitig bei der Familie des Grafen Leopold von Thun und Hohenstein als Musiklehrer wirkte. Wenngleich dieses Stück seinem Autor vor allem zum Ausprobieren der Prinzipien der Sonatenform diente und es die einzige Klaviersonate in Smetanas Gesamtwerk bleiben sollte, handelt es sich hier dennoch um eine Komposition, die in vielerlei Hinsicht die großen Hauptwerke Smetanas vorwegnimmt.

Jiří Zahrádka