Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno


Autor Leoš Janáček

Dirigent Ondrej Olos

Regie Robert Carsen

Der Lizenznehmer ist die Opera Vlaanderen, Antwerpen/Gent.


  • Obsah opery

    1.Akt
    Der junge Lehrer Kudrjasch bewundert die Aussicht über die weite Landschaft und die Wolga. Der ruhige Nachmittag wird von einer zornigen Auseinandersetzung des Händlers Dikoi mit seinem Neff en Boris unterbrochen. Kudrjasch fragt sich, warum Boris die Grobheiten seines Onkels immer erträgt. Boris gesteht, dass er in Kalinow unglücklich ist, aber keine andere Wahl hat: Damit ihm und seiner Schwester die Erbschaft von seiner Oma zukommt, muss er dem letzten Willen gemäß mit dem Onkel leben und alle Kränkungen erdulden, bis er und seine Schwester die Volljährigkeit erreicht haben. Sein Unglück wird noch von einer hoffnungslosen Liebe zu einer verheirateten Frau – Katherina Kabanowa – gesteigert. Auch Katja ist in ihrer Ehe unglücklich. Sie ist in einer liebevollen Familie aufgewachsen, und nun hat sie einen Schwächling und Trinker als Mann und dazu eine despotische Schwiegermutter Kabanicha, die unbarmherzig über die Familie herrscht und Katja hasst, weil sie auf Tichons Liebe zu seiner jungen Frau eifersüchtig ist. Jetzt befiehlt sie ihrem Sohn, noch an demselben Tag zum Markt nach Kasan zu fahren, und hält ihm mangelnde Sohnesliebe und Folgsamkeit vor. Abends im Haus der Kabanows. Katja und Warwara sticken und Katja erinnert sich an glückliche Jugendtage. Sie off enbart, dass sie sich heimlich verliebt hat, und die leichtsinnige Warwara erbietet sich als Vermittlerin. Tichon kommt, um sich von seiner Frau zu verabschieden. Katja beschwört ihn, sie mitzunehmen oder mindestens mit einem Schwur zu binden. Tichon versteht nicht und lehnt beides ab. Kabanicha beobachtet ihren Abschied, und auf ihre Weisung erniedrigt Tichon Katja mit herabwürdigenden Ermahnungen.

    2.Akt
    Kabanicha wirft Katja vor, dass sie wenig über Tichons Abreise trauert. Warwara bringt einen Schlüssel vom Gartentor, den sie Kabanicha nahm, damit sie zum Rendezvous mit Kudrjasch hinaus kann. Katja wehrt sich, schließlich nimmt sie den Schlüssel an. Zu Kabanicha kommt der betrunkene Dikoi und bettelt um ihre Gunst. An der Schlucht hinter Kabanows Garten treff en sich Warwara und Kudrjasch. Auf Warwaras Einladung kommt auch Boris. Katja bemüht sich, ihre Sehnsucht nach Boris zu überwinden, aber schließlich fällt sie ihm in die Arme.

    3.Akt
    Über dem Städtchen bricht ein heftiger Sturm los. Die Leute suchen in einem halb eingerissenen, ausgebrannten Kloster Schutz. Kudrjasch nutzt die Gelegenheit und versucht, Dikoi für seine Idee zu gewinnen, Blitzableiter in der Stadt einzuführen. Aber für Dikoi ist das Gewitter ein Zeichen für Gottes Zorn, und er weist Kudrjaschs Vorschläge mit Beschimpfungen zurück. Warwara sucht Boris. Sie erzählt ihm, dass Katja sich seit Tichons Rückkehr wie von Sinnen benimmt. Auch die Kabanows suchen in der Ruine Unterschlupf. Katja, vom Gewitter verstört, bekennt sich vor allen zu ihrer Untreue mit Boris. Kabanicha triumphiert. Tichon will Katja verzeihen, aber sie flieht. Die Magd Glascha und Tichon suchen vergeblich nach Katja. Warwara ist entschlossen, ihr Geburtshaus zu verlassen und verabredet mit Kudrjasch die Flucht nach Moskau. An das Wolga -Ufer kommt Katja, die ahnt, dass der Tod die einzige Befreiung von dem unerträglichen Leben bei den Kabanows ist. Sie möchte sich nur noch von Boris verabschieden. Dieser kommt mit der Nachricht, dass der Onkel ihn in Geschäftsangelegenheiten nach Sibirien schickt. Nach seinem Fortgehen stürzt sich Katja in die tiefen Wogen der Wolga.

Die Premiere der Inszenierung von Katja Kabanowa durch das Ensemble der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno gehörte zu den Höhepunkten des letzten Festivaljahrgangs. Mit dem Festival 2018 kehrt die Inszenierung nach Brno zurück, und so wird das Publikum erneut verfolgen können, wie auf der Bühne Janáčeks musikalische Genialität zusammentrifft mit den Fähigkeiten Robert Carsens, eines der besten Opernregisseure unserer Zeit, dessen Produktionen sich durch eine besondere Poetik, dramaturgische Geschlossenheit und eine emotionale, lebendige und ungemein effektvolle Theatralität auszeichnen und bereits seit etlichen Jahren im Repertoire der bedeutendsten Opernbühnen von der Mailänder Scala über die Metropolitan Opera in New York bis zu den britischen Opernhäusern in Glyndebourne oder im Covent Garden zu finden sind. Katja Kabanowa ist eine von fünf Opern Janáčeks, die Carsen bereits inszeniert hat, und war ursprünglich für die Opera Vlaanderen bestimmt. Seit ihrer Premiere war diese Inszenierung bereits in mehr als 20 Opernhäusern auf der ganzen Welt zu Gast. Dieser Erfolg kann nicht verwundern, denn mit ihrer effektvollen Szenografie, bei der eine Wasserfläche die ganze Bühne bedeckt und Katjas Emotionen und ihr tragisches Schicksal widerspiegelt, gehört diese Inszenierung zu den gelungensten Werken Carsens.

Als Leoš Janáček zu Beginn des Jahres 1919 darüber nachzudenken begann, Alexander Ostrowskis Schauspiel Gewitter als Grundlage einer neuen Oper zu verwenden, war er fast fünfundsechzig Jahre alt. Während der letzten drei Jahre hatte sich in seinem Leben vieles verändert; er war endlich zu einem international anerkannten Komponisten geworden, im Sommer 1917 hatte er in Luhačovice Kamila Stösslová kennen gelernt, die ihn zu seinen größten Werke inspirierte. Dass er ein Sujet aus der russischen Literatur gewählt hatte, kann nicht weiter verwundern, ebenso wenig die Wahl von Ostrowskis Gewitter, dessen Thema von der durch die gesellschaftlichen Konventionen unterdrückten tragischen Hauptheldin Katja Janáčeks Nerv treffen musste. Das Libretto schrieb Janáček unter Verwendung einer tschechischen Übersetzung seiner Vorlage selbst. Gegenüber dem Original nahm er jedoch wesentliche Veränderungen vor – er verringerte die Zahl der Figuren wie der Akte und konzentrierte sich vor allem auf das Lebensdrama der Hauptheldin. So entstand eines seiner intimsten Werke. Mit der ersten Aufführung und damit der Weltpremiere betraute Janáček das Brünner Nationaltheater, wo die Oper am 23. November 1921 im Theater Auf den Schanzen erklang. Sie erwies sich als großer Erfolg, so dass sie ein Jahr später in Prag und bald auch im Ausland aufgeführt wurde.

Patricie Částková