Teatr Wielki Stanisława Moniuszka, Poznań

Autor Leoš Janáček

Dirigent Gabriel Chmura

Regie Alvis Hermanis


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Beim diesjährigen Festival wird Jenůfa vom Ensemble des Posener Teatr Wielki dargeboten, welches mit seiner mehr als hundertjährigen Tradition zu den führenden polnischen Opernensembles zählt. Die ursprünglich für das Brüsseler Opernhaus La Monnaie geschaffene Inszenierung ist das Werk des lettischen Regisseurs und Dramatikers Alvis Hermanis, einer der herausragendsten Gestalten der europäischen Theaterszene. Die effektvolle Inszenierung ist im ersten und dritten Akt künstlerisch an die opulenten Darstellungen eines Alfons Mucha angelehnt, der Chor zeigt sich in reich verzierten Trachten. Einen desto größeren Kontrast bildet der zweite Akt, dessen Handlung in die kommunistische Ära der Sechzigerjahre verlegt wurde, wo die Stilisierung in Momenten höchster Tragik durch realistische Schauspielkunst abgelöst wird.

Jenůfa gehört zu den berühmtesten Werken Janáčeks. Seine Grundlage bildet ein realistisches Drama von Gabriela Preissová (1862–1946), welches der Komponist selbst zum Opernlibretto umarbeitete. Obgleich er den Text des Schauspiels deutlich kürzen musste, gelang es ihm, eine noch tiefere Wirkung der tragischen Geschichte aus der mährischen Provinz zu erzielen. Der verschwenderische und unbeständige Števa, der ungestüme und doch in seinem Herzen liebevolle Laca und vor allem die unerbittliche Küsterin, welche in der Bemühung, sich ihre Stellung und den Respekt der Dorfgemeinschaft zu erhalten, auch vor der Tötung des Kindes ihrer Ziehtochter Jenůfa nicht zurückschreckt – Janáček beschreibt die einzelnen Charaktere in meisterhafter dramatischer Verkürzung, die den Zuschauer frösteln lässt, doch gleichzeitig Mitgefühl und Verständnis weckt. Die Arbeit an Jenůfa beanspruchte Janáček für fast neun Jahre. Den ersten Akt der Oper vollendete er im Jahr 1897, der zweite und der dritte entstanden unter für Janáčeks Familie höchst tragischen Umständen. Im Jahr 1902 war Janáčeks Tochter Olga während eines Besuchs bei seinem Bruder in Sankt Petersburg schwer erkrankt. Janáček vollendete den zweiten Akt der Oper nach Olgas Rückkehr und den dritten unmittelbar vor ihrem Tod im Februar 1903. Die Oper Jenůfa widmete er dem Andenken seiner Tochter. Mit der Uraufführung wollte Janáček das Prager Nationaltheater betrauen, wo sein Ansinnen jedoch mit der Begründung abgelehnt wurde, das Stück sei für die Aufführung auf der namhaftesten tschechischen Opernbühne nicht geeignet. Die Premiere fand daher am 21. Januar 1904 in Brünn statt, wo das Werk unerwarteten Erfolg hatte. Erst 1915 gelang es, auch die Leitung des Prager Theaters und seinen Dirigenten Karel Kovařovic von dem Stück zu überzeugen. Mit der überaus erfolgreichen Prager Premiere am 26. Mai 1916 war Janáček endlich zu landesweiter und sehr bald auch zu weltweiter Anerkennung gelangt.

Patricie Částková